Das Stadttheater Meissen

Inmitten der malerischen Altstadt von Meissen erhebt sich auf dem Theaterplatz das imposante ehemalige Gewandhaus der Tuchmacher. Als Stadttheater wurde es zu einer kulturellen Zierde und einem Mittelpunkt urbanen Lebens in der "Wiege Sachsens", wie die Kreisstadt an der Elbe auch gern genannt wird.Bis 1963 konnten die Meißner ein Theater mit eigenem Ensemble vorweisen, das sowohl in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts als auch in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit nach 1945 beachtliche künstlerische Leistungen hervorbrachte. Die beschränkten Möglichkeiten des kleinen Theaters, Umstrukturierungen in der Theaterlandschaft mit ökonomischen Notwendigkeiten (z.Bsp. wurden die Landesbühnen Sachsen 1958 Mehrspartentheater und führende Reisebühne) und der Zuschauerschwund durch neue Theater- und Medienangebote führte 1963 zur Auflösung des damals bereits nur durch Gäste aufrecht erhaltenen Ensemblebetriebes. Die Gastspiele der Landesbühnen oder des Mittelsächsischen Theaters, Aufführungen der Hochschule für Musik Dresden, Konzerte, Soloprogramme und vieles mehr begeistern seither weiterhin die Besucher in den alten Mauern des traditionsreichen Gebäudes. Bis heute wird das ehemalige Stadttheater von den Einwohnern und Ihren Gästen als kulturelles Zentrum der Elbestadt genutzt und beispielhaft unterstützt und erhalten.

Grundriss von 1851 Das Haus 1941 Der Zuschauerraum 1941 Der Zuschauerraum 1951 Theaterplatz Meissen 1961 Roessl von 1954 La Traviata 1951 La Boheme 1951 Das Orchester 1951 Ballett Coppelia 1955 Gräfin Mariza 1955 Zar und Zimmermann

Lage und Gebäudedaten

  • 1851 Einbau des Theaters mit zwei Rängen in den vorderen Teil des Gewandhauses Meißen durch den Architekten Dr. J. A. Romberg
  • Ausführung über drei Stockwerke auf einer Grundfläche von ca. 15 m mal 28 m
  • 704 Plätze, davon 300 Stehplätze
  • Verzicht auf einen Kronleuchter, Beleuchtung des Zuschauerraums mit 16 vergoldeten Wandlampen mit Milchglaskugeln an den Rangbrüstungen
    Brüstungen verziert mit den Wappen der umliegenden Städte, gemalt vom Malervorsteher der kgl. Porzellanmanufaktur Schreinert, Deckengemälde von Carl Merkel
  • dunkle Farbgebung des Proszeniums: Schwarz-Rot-Gold
  • Bühne: ca. 14 m breit, ca. 11 m tief, auf der Bühne 12 Proszeniums- und 20 Coulissen-Lampen
  • nur ein Bühnenzugang von Unterbühne links hinten
  • 1859/60 Einbau einer Gasbeleuchtung
  • 1873 Einbau einer Luftheizung
  • 1911 Einbau der elektrischen Beleuchtung
  • 1935 Vollwertiges Stadttheater, Umwandlung der Direktion in eine Intendanz
  • 1951 100jähriges Bestehen des Theaters, Beginn einer kompletten baulichen Erneuerung des Hauses
  • 8. Juli bis 15. September 1951: Umgestaltung des Zuschauerraums durch Stadtbaumeister Georg Wolf (Planung und Leitung)
  • Am Ende der Spielzeit 1962/63 Schließung als eigenständiges Theater, seitdem Fortbestehen des Stadttheaters als Gastspielbühne und Kulturhaus
Plan von Meissen 1906

Chronologie (Auszug)

  • 1545 – 1549 Errichtung des Gewandhauses in Meißen als Kaufhalle der Tuchmacher
    Gleichzeitig von Anfang an Nutzung als Gemeinschaftsraum
  • um 1760 Einbau eines Theater-Podiums für die Darbietungen reisender Komödiantentruppen, muss zu Jahrmarktszeiten wegen Handelsbehinderung abgebaut werden
  • 1804 Die Mitglieder der bürgerlichen dramatischen Liebhabergesellschaft „Freundschaftliches Theater“ ersuchen wegen der Kälte im Gewandhaus und der Kosten für den Bühnen-Ab- und Aufbau um Verlegung des Theaters in den Gasthof „Zur Sonne“
  • 1816 Zimmermeister Adam errichtet auf dem ersten Boden (Höhe heutige Bühne) auf eigene Kosten eine Bühne
  • 1817 Die Gesellschaft des „Freundschaftlichen Theaters“ errichtet auf dem zweiten Boden (Höhe des heutigen Ranges, in der rechten Gebäudehälfte vom heutigen Eingang aus) ein Theater, welches dort bis 1834 verbleibt
  • 1834 Kaufmann Heinrich Christoph Langelütje aus Hamburg pachtet den hinteren Teil des Gewandhauses zur Einrichtung einer Zuckersiederei ( existiert bis 1871)
    (laut Stadtchronist Helmuth Gröger 1929: 1834 ist das Geburtsjahr der Meißner Privatindustrie, Eisengußfabrik Jacobi/ Pianofabrik Thürmer/ Dampfschifffahrt/ Telegrafenanschluss)
    Das Theater wird in das vordere, rechte Viertel auf den ersten Boden verlegt und eine Brandmauer aus Lehm zur Zuckersiede errichtet. Grundfläche des Theaters: etwa 8 x 29 m, schräg ansteigender Zuschauerraum, 24 Zuschauerbänke, Bespielung durch die beiden Meißner Gesellschaften: „Freundschaftliches Societäts-Theater“ und „Freundschaftliches Gesellschafts-Theater“ sowie reisende Truppen
  • 1838 Gründung des städtischen Orchesters Meißen mit 17 Mitgliedern
  • 1843 Abkommen mit dem Theaterdirektor Friedrich Matthes, der mit seiner Truppe über drei Jahre während der Wintermonate auftritt (im Sommer bespielt er ab 1844 das neue Sommertheater auf Reisewitz in Plauen bei Dresden)
  • 1851 Umbau des vorderen Teils des Gewandhauses zum Theater (Kosten: 3000 Taler, aufgebracht durch den „Theaterbau-Actienverein“, Architekt: Dr. Romberg). Im Vertrag zwischen Verein und Stadt ( abgeschlossen am 31.7.1851) wird festgelegt, dass die Einnahmen des Theaters für die Rückzahlung des Aktienkapitals zu verwenden sind und dass nach erfolgter Rückzahlung das Theater in das Eigentum der Stadt übergeht. Die Stadt ist in Person von Stadtrat Burkhardt im Direktorium vertreten, kann die Aktionäre auch vorzeitig auszahlen und das Theater erwerben.
  • 13. 11. 1851 Eröffnung mit der Jubelouvertüre von Weber und dem Lustspiel „Die rothe Schleife“ von Deinhardstein
    Direktor: Carlsen, Orchesterleitung: Städtischer Musikdirektor Hartmann
  • 1862 Debut von Anton Friedrich Mitterwurzer
  • 1866 Die von den einquartierten preussischen Truppen im Deutschen Krieg absichtlich demolierte Einrichtung muss erneuert werden
  • 1883 die erste städtische Direktorin Clara Haberstroh, geb. Buchfink, später verw. Seder, leitet das Theater bis 1896
  • 1921– 1930 Direktor Hans Chlodwig Gahsamas (27 Jahre alt, gebürtiger Wiener griechischer Herkunft)
    Debuts von Alfons Mühlhofer und Karl Schönböck
  • 1.1.1925 Uraufführung „Kreidekreis“ von Klabund
  • 1945/46 Eröffnung mit „Nathan der Weise“ von Lessing erstes Zeitstück: „Gerichtstag“ von Julius Hay
  • 10.9.1945 1. Nachkriegssinfoniekonzert, Dirigent: Richard Breitung, Werke von Mozart, Beethoven, Schubert und Mendelssohn
  • 1946 – 1948 Intendant Alexander Kociolek
    Begründer des Opern-Ensembles
    stellv. Intendant: Fritz A. Kirchhoff, Oberspielleiter des Schauspiels: Hannes Döbbelin, Spielleiter: Ernst Nowack und Erich Gutte, Dramaturgie: Charlotte Franz, Spielleiter der Oper: Paul Friebel, Spielleiter der Operette: Heinz Trolle, Ballettmeisterin: Käte Müting, Musikalischer Oberleiter: Johannes Fritzsche, 1. Kapellmeister: Richard Breitung, Ausstattungsleiter und Bühnenbildner: Curt A. Engel,
    Abstecherorte: Lommatzsch, Nossen, Weinböhla, Wilsdruff
  • 1946 erste eigene Opernaufführung: „Madame Butterfly“ von Puccini
  • 1948 – 1955 Intendant Fritz H. Kirchhoff
    (seit 1945 als Schauspieler und Regisseur am Meißner Stadttheater) 118 Mitarbeiter
  • 1950/51 24 Inszenierungen (12 Schauspiele/ 8 Operetten/ 2 musikalische Lustspiele/ 2 Märchen), 152 Abstechervorstellungen mit 6853 gefahrenen Kilometern (entspricht der Entfernung Meißen-Kapstadt)
  • 1953/54 188.996 Zuschauer in 463 Vorstellungen, davon 152 Schauspielabende und 156 Operettenabende mit je über 50.000 Zuschauern
  • 1955 – 1959 Intendantin Jutta Klingberg
  • 1959 – 1963 Intendant: Rudolf Schultheiß
  • 1963 Auflösung des Ensembles, Weiterbestehen des Hauses als Gastspieltheater und Kulturhaus

Dokumente

Das Spielzeitheft 1954/55 (Theaterarchiv Schwarze)

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Das Heft der letzten Spielzeit mit eigenem Ensemble 1962/63 (Theaterarchiv Schwarze)

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