Die Vorläufer-Theater der Landesbühnen Sachsen GmbH Radebeul
Die heutigen Landesbühnen Sachsen sind in ihrem Wirken der Vision des Hofschauspieler-Ehepaares Maximus und Franziska René von einem humanistischen, fortschrittlichen und unterhaltend bildenden Volkstheater von hoher künstlerischer Qualität verpflichet. Sie schufen unter höchstem persönlichen Einsatz mit ihrem Lebenswerk "Sächsische Landesbühne" ein demokratisches Theater, welches der Bevölkerung außerhalb der Großstädte die Teilhabe an Kunst und Kultur zu erschwinglichen Preisen ermöglichte. Deshalb wird ihre Geschichte als Keimzelle des Landesbühnen-Gedankens in Sachsen der Historie der heutigen Landesbühnen vorangestellt.
Unternehmen des Hofschauspielers Maximus René 1913-1918
6. September 1913
Neueröffnung des Albert-Theaters (ehemaliges „Königliches Schauspielhaus“)
mit „Der Verschwender“ von Raimund
Direktion: Hofschauspieler Maximus René
Das Theater soll eine Stätte geistiger Anregung und Erholung sein und einen regelmäßigen Theaterbesuch zu niedrigen Preisen ermöglichen. (Kartenpreise zwischen 5,60 Mk und 1,35 Mk)
René verpflichtet 26 Herren und 19 Damen (darunter auch Renés Gattin, die Hofschauspielerin Franziska René-Hilpert) für das Ensemble sowie Regisseure, Dramaturgen, Musiker und Bühnenmaler. Die Kapelle unter Kapellmeister Paul Beege umfasst 20 Musiker,
kann auf 30 verstärkt werden und wird mit neuen Instrumenten ausgestattet.
Er will vornehme dekorative Mittel einsetzen und moderne Bühnentechnik installieren. Ein Abonnement-System bietet 2 Serien zu jeweils 25 Vorstellungen im Abstand von 14 Tagen.
Von den 1300 Plätzen werden 770 Plätze für das Abonnement zur Verfügung gestellt.
Der Abonnementspreis ist in 5 Raten zu zahlen. Städtische Billettsteuer und
Garderobengebühr sind inbegriffen.
René plant für die erste Spielzeit u. a. Hauptmanns „Die Weber“, „Frau Warrens Gewerbe“ von Shaw, „Der Geizige“ von Moliere, „Erde“-Komödie des Lebens von Schönherr, erstmals „Magdalena“ von Thoma, „Die letzten Dinge“ Komödie von Anzengruber, „Anatol“ und „Komtesse Mizzi“ von Schnitzler und „So ist das Leben“ von Wedekind. (DN 5. Mai 1913, S.9)
DN 25.12.1913
„Noch niemals hat in Dresden ein Privattheater ein so ausgezeichnetes Ensemble geboten, wie das Albert-Theater unter Direktor René, und seine Leitung hat die bei der Gründung des Theaters erweckten Erwartungen erfüllt, dass das kunstliebende Publikum in Dresden viele künstlerisch wertvolle und amüsante Stücke zu sehen bekommt, die ihm unter früheren Theaterverhältnissen in Dresden verloren gingen.“
21. Dezember 1913
Entlassung und Hausverbot Renés wegen Differenzen mit dem Vorstand der Albert-Theater-AG (Dr. Vetter/Dr. Portius/Prof. Siegwart Friedmann/Generalleutnant von Criegern/Prof.Dr. Winter/Kaufmann Max Müller)(DJ 22.12.1913, S.7)
Öffentliche, diffamierende Beschuldigungen Renés durch den Vorstand in den Tageszeitungen.
Man ist nicht bereit, Renés modernes Konzept eines zeitgemäßen, erschwinglichen Volkstheaters von hoher künstlerischer Qualität mit zu tragen und gibt dem Druck der Aktionäre nach höherer Dividende nach dem kostspieligen Umbau des von der Hoftheaterintendanz zuletzt auf Verschleiß gefahrenen Hauses nach. (erstmals wurde eine Feuermeldeanlage eingebaut, auf Anregung Renés Platzgewinne im Parkett durch Verlegung des Orchesters unter die Bühne, Verbreiterung der Garderobenbereiche und der Türen des Zuschauerraums).
1. Februar 1914 Die AG verschlechter die Vertragsbedingungen der Künstler und senkt die Gagen.
Einer großen Anzahl von Mitgliedern des Albert-Theaters, die gegen Renés Entlassung protestiert hatten, wird zum 30. September 1914 von der AG gekündigt, weitere reichen
selbst ihre Kündigung ein.
6. März 1914 35 (von ca. 40) Ensemble-Mitgliedern des Albert-Theaters versammeln sich, verfassen und unterzeichnen eine öffentliche Erklärung gegen die aktuellen Zustände und die künstlerische Umwandlung des Albert-Theaters:
„Wir haben uns im Vertrauen auf die künstlerischen Fähigkeiten des Herrn René und seine künstlerischen Pläne und Ziele, die auch einen finanziellen Erfolg des Institutes gewährleistet und tatsächlich auch gebracht haben, dem Albert-Theater verpflichtet. Unseres künstlerischen Leiters beraubt, haben wir zu den Maßnahmen der Verwaltung geschwiegen, um in den schwebenden Streit nicht einzugreifen und ihr Vorgehen gegen den eigentlichen Gründer des Theaters zu rechtfertigen. Wir konnten damals nicht entscheiden, ob die Behauptung der Verwaltung, dass Herr René schlecht gewirtschaftet habe, richtig sei oder nicht. Aus diesem Grunde ließen wir unsere schweren künstlerischen Bedenken gegen die Entlassung beiseite und verhielten uns vollkommen neutral.
Heute kann es als sicher gelten, dass die finanziellen Schwierigkeiten, in denen sich die Gesellschaft befindet, nicht auf die Kosten des Theaterbetriebs und auf die geschäftlichen Maßnahmen des Herrn René zurückzuführen sind. Mit dem Tage der Entlassung des Herrn René begann der ganze Bau zu wanken. Die künstlerischen und finanziellen Maßnahmen der der neuen Leitung (Direktor Röbbeling) haben in wenigen Wochen zur Folge gehabt, dass das Theater künstlerisch bereits zurückgegangen ist und in kürzester Zeit nur noch ein Zerrbild des ursprünglich gewollten und notwendigen Theaters sein wird. Dass dieses Sinken des künstlerischen Niveaus auch ein Sinken der Einnahmen der Einnahmen zur Folge gehabt hat und ein noch weit stärkeres zur Folge haben wird, mag nur nebenbei bemerkt werden.(…) Wir sind überzeugt, dass eine Sanierung (…) nur dann einen Zweck hat und Erfolg verspricht, wenn Herr René wieder die Führung übernimmt. (…)“
Daraufhin werden alle 35 von der Albert-Theater AG fristlos entlassen.
20. März 1914
Maximus René pachtet (vorläufig bis August 1914) den großen Saal des Vereins Volkswohl (Ostraallee/Trabantengasse) und baut ihn theatermäßig um, um dort mit den Entlassenen des Albert-Theaters am 1. April 1914 ein Interims-Theater zu eröffnen und ihnen damit die Existenz bis Spielzeitende zu sichern. Gespielt werden sollen Erstaufführungen, lang nicht in Dresden gespielte Stücke und volkstümliche Stücke von erprobtem Wert sowie moderne Lustspiele und Schwänke, soweit „sie dem Bedürfnis einer geschmackvollen und gebildeten Unterhaltung entsprechen“ (DNN 21.03.1914).
Die Kartenpreise liegen zwischen 3,50 Mk und 0,50 Mk.
Ein Teil des technischen Personals des Albert-Theaters kündigt und läuft zu René über.
1. April 1914
René eröffnet das Interimstheater mit Maxim Gorkis „Nachtasyl“ und führt seine Schauspieler
zu einem überwältigenden Erfolg. (Kritik DNN 7.4.1914)
15. Juli 1914
Schließung des Interimstheaters, da seine Mission für das Ensemble erfüllt ist. Letzte Premieren sind Sternheims „Die Hose“ und Lothar Schmidts „Nur ein Traum“. „Nachtasyl“ erlebte 25 Vorstellungen, René hinterlässt dem Volkswohl-Verein einen baulich aufgewerteten Saal.
28. Juli 1914
Ausbruch des 1. Weltkrieges
4. September 1915 Beginn der Gastspieltätigkeit des Ehepaars René im Dienst des Roten Kreuzes
Theater im Viktoriasalon Waisenhausstraße: Uraufführung „Frieden im Krieg“, 3 Einakter von Alwin und Rolf Römer;
„Rosen“, „Der Teufelskast’n“, Exzellenz im Schlafrock“;
Regie Maximus René; mit Maximus René, Franziska René-Hilpert und Richard Bendey
Dekorationen des Dresdner Malers Georg Meckes;
Die Wohltätigkeitsvorstellung zu Gunsten des Roten Kreuzes unter Anwesenheit des Königs
von Sachsen erbringt 3000 Mk.
15. September 1915 Sondervorstellung „Frieden im Krieg“ für die Lazarette Dresdens
November 1915 „Frieden im Krieg“ in Budapest, Kecskemét und Versec (Königreich Ungarn) sowie in Gablonz und Reichenberg (Nordböhmen). Richard Bendey wird auf den Tourneen durch Otto Ottbert ersetzt.
Dezember 1915
„Frieden im Krieg“ Gastspiel im Volkstheater München
„Ein jedes dieser fein gearbeiteten Stückchen behandelt eine in der Gegenwart spielende Episode; alle drei sind in ihren Grundzügen völlig verschieden voneinander, haben aber das miteinander gemein, daß sie in nichts an den Geschäftspatriotismus erinnern, dem so manche seit Kriegsbeginn auf die Bretter gebrachte Volksdramen und Schwänke ihr Entstehen verdanken.
Sie atmen eine ungezwungene Heiterkeit und natürliche Frische, die besonders in der außerordentlich fesselnden Darstellungskunst Renés ihren zum Beifall hinreißenden Ausdruck erhalten. In der Kömödie „Rosen“ spielt René mit überzeugender Lebenswahrheit einen wackeren Offiziersburschen, der durch eine gutgemeinte Lüge das Glück seines Hauptmanns begründet. In der Szene aus den Bergen „Der Teufelskast’n“ tritt René als Naturbursche Florian, in der mit köstlicher Derbheit gezeichneten Magd Monika Franziska René-Hilpert als ebenbürtige Partnerin zur Seite, und in dem Schwank „Exzellenz im Schlafrock“ zeigt sich der vielseitige Künstler in der Rolle eines österreichischen Husarenrittmeisters von einer neuen und nicht minder liebenswürdigen Seite, als in den beiden vorhergehenden Dichtungen. Seinen drei mehr in den Hintergrund tretenden Aufgaben wird Otto Ottbert in durchaus geschmackvoller Weise gerecht, während Franziska René-Hilpert in dem Schlußstück eine junge, kokette polnische Gräfin mit Grazie verkörpert.“ (Bayrische Staatszeitung Dezember 1915)
25. Januar 1916 „Frieden im Krieg“ Vorstellung vor 800 Verwundeten in Stuttgart
„Diese drei Einakter gehören mit zum besten, was der Krieg seither auf die Bühne brachte; unzweifelhaft sind sie das künstlerisch Wertvollste, was wir seither in Stuttgart als Kriegskunst auf den Brettern sahen! Die treffliche Aufführung durch das Ehepaar René und durch Otto Ottbert läßt die Reize der Szenen prächtig zur Geltung kommen; bis in die kleinsten Einzelheiten ausgeglichen, flott im Zeitmaß und die Eigenart jedes Bildes berücksichtigend, bietet das reife Spiel der drei Künstler höchsten Genuss.“ (Schwäbischer Merkur Januar 1916)
2.-26. Mai 1916
„Frieden im Krieg“ Gastspiel an der Westfront in Frankreich (Lille, St.Amand , Douai, Tournai, Cysoing, Montherme, Longwy und Laon).
Mit Hilfe eines sächsischen Landsturmbataillons richtete René im Keller einer Kirche etwa 40 km von Verdun entfernt ein Theater ein. Die Zwischenaktsmusik besorgte die neugebildete Kapelle des sächsischen Landsturmbataillons Rochlitz unter Leitung ihres Kapellmeisters Gefreiten Adolf Luderer, eines Chemnitzer Opernsängers. Neben den Theatervorstellungen bringen die Künstler in zahlreichen Lazarett-Vorträgen Dichtungen der Dresdner Reinhard Volker, Ottomar Enking, Richard Fischer, Georg Irrgang, Alwin Römer, Georg Müller-Heim und Max Bewer zu Gehör.
Letzte Vorstellung am 26. Mai im überfüllten Stadttheater von Laon, 80 km vor Paris.
Juni/Juli/August 1916 „Frieden im Krieg“ Gastspiele an der Volksoper Hamburg, am Kurtheater auf Helgoland
und am Residenz-Theater Berlin
Dezember 1916 - Mai 1917 „Frieden im Krieg“ Gastspiele in den Feldlazarett- und Stadttheatern zu Sedan, Mouzon, Thonne la long, Murveaux, Montmédy, Douai, Longwy, Liny, Mèzieres-Charleville, Vilosnes, Cambrai, Valenciennes, Lille (Deutsches Theater), St. Amand, Briculles, Cunel und Maubeuge.
Seit Kriegsbeginn hat das Ehepaar René bis dahin 217 Vorstellungen für Militär, das Rote Kreuz und verschiedene Kriegshilfskassen gegeben, davon 121 in Frankreich.
(Sächsische Staatszeitung 19. Mai 1917, S.11)
August 1917
Verleihung der Fürstlich-Lippeschen Kriegsehrenmedaille am Kombattantenband an das Ehepaar René. Sie nennen ihre Truppe von nun an „Künstlerische Lustspiele im Kriegsgebiet“, reisen an die Ostfront und beginnen ihre Gastspiele bei der k.u.k. Heeresgruppe Linsingen (Ukraine/Belarus).
20. Oktober 1917 Die René-Gastspiele eröffnen das „Neue Deutsche Theater“ in Tarnopol (West-Ukraine)
Bisher haben sie insgesamt mehr als 60.000 Mk für verschiedene Wohlfahrtskassen erspielt.
(Sächsische Staatszeitung 29. 10. 1917, S.10)
März 1918
Dem Ehepaar René wird das Sächsische Ehrenkreuz für freiwillige Wohlfahrtspflege
mit dem Bande für Tätigkeit im Kriege verliehen.
August 1918
René-Gastspiele in den baltischen Provinzen (deutsches Okkupationsgebiet auf den Territorien der Ostseegouvernements des Russischen Reiches) und in Livland, Kurland, Ösel, Weißrussland.
Otto Ottbert erkrankt und wird durch Carl Carstens ersetzt, die Dresdnerin Charlotte Friedrich (1874-1976; Schülerin von Maximiliane Bleibtreu) kommt neu ins Ensemble.
10. November 1918
480. und letzte Vorstellung der René-Gastspiele in Białystok (Ostpolen), Einzug der polnischen Armee.
Abschlussbilanz: 200.000 Mk für die Wohlfahrtskassen.
Durch Vermittlung des Soldatenrates und des polnischen Adjutanten Rittmeister Gurko in Warschau erwirkte René bei dem Obersten der polnischen Legion in Białystok die Ausreiseerlaubnis und die Stellung eines Güterwaggons, der ihn und die Gesellschaft mit ihrem Gepäck nach Deutschland zurück brachte. (Sächsische Staatszeitung 23.11.1918,1.Beilage)
Schaubühne des Sächsischen Künstler-Hilfsbundes 1914-1921
20. Juni 1917
Gründung des „Sächsischen Künstlerhilfsbundes“ zur Unterstützung von Schriftstellern, bildenden Künstlern und Schauspielern. Geschäftsführer wird der Verlagsbuchhändler und Hofrat am Konservatorium für Musik und Theater Otto Schambach (1872-1952). Der Vereinigung gehören 17 Ehrenförderer, 65 stiftende Mitglieder, 68 lebenslängliche Mitglieder, 33 körperschaftliche, 10 Mitglieder des öffentlichen Rechts und 267 einzelne Mitglieder an.
Die Einnahmen betragen im ersten Geschäftsjahr bis 31. 12. 1917 193.424,90 Mk.
23. Februar 1919
Eröffnungsvorstellung der „Künstlerischen Schaubühne des Sächsischen Künstlerhilfsbundes“ im Schauspielhaus Dresden mit dem Lustspiel „Nur ein Traum“ von Lothar Schmidt.
Direktion und Regie: Maximus René, Ausstattung/transportable, technisch voll ausgetattete Bühne: Maschinendirektor des Schauspielhauses Adolf Linnebach (Abbildung)
mit Maximus René, Franziska René-Hilpert, Charlotte Friedrich, Anna Tettenborn,
Gertrud Walter, Max Jähnig, Carl Zimmermann, Robert Zimmermann
Geschäftsführung: Hofrat Otto Schambach; Künstl. Beirat Prof. Dr. Ottomar Enking,
Dr. Karl Wollf, Dr. Felix Zimmermann;
Direktion: Maximus René; Spielleitung Otto Ottbert, Robert Zimmermann, Max Jähnig
Gründung des Städte-Zweckverbandes „Sächsische Landesbühne“:
Aue, Burgstädt, Falkenstein, Frankenberg, Großenhain, Leisnig, Limbach, Lugau, Mittweida, Olbernhau, Oschatz, Riesa, Stollberg, Schneeberg, Thalheim, Waldheim, Zwönitz, Start der Gastspiele am 1. März 1919.
Mai/Juni 1919 Affaire Kurtheater Bad Elster Der Dresdner Operettenstar Oscar Aigner wurde im Mai 1919 vom Ministerium des Innern mit der Direktion des Kurtheaters Bad Elster betraut, erkannte aber den von Bühnenverein und Bühnengenossenschaft vereinbarten und vom Reichsarbeitsamt genehmigten Normal- und Tarifverträge sowie den Angestelltenrat nicht an. Daraufhin tritt das Gesamtpersonal in den Ausstand. Aigner entlässt das Personal und schließt das Theater.
2. Juli 1919
Das Ministerium des Innern verpachtet das Kurtheater Bad Elster für den Sommer an die Künstlerische Schaubühne.
Herbst 1919 Gastspiele in Meerane, Glauchau, Limbach, Mittweida (4000 Zuschauer), Waldheim, Leisnig, Oschatz, Riesa, Großenhain, Frankenberg, Olbernhau.
Gespielt werden Werke von Fulda, Karl Schönherr, Schnitzler, Ottomar Enking, Curt Götz und Walter Harlan, die Transporte erfolgen unter großen Anstrengungen, Umständen und Kosten mit der Reichsbahn.
1920
Im Winter 1919/20 erfolgreiche Vorstellungen in Olbernhau. Im März 1920 ersucht der Gemeinderat das Ensemble, sein Stammquartier in Olbernhau aufzuschlagen. René pachtet das dortige Schützenzelt-Gebäude als Stammspielstätte. In weiteren Bauten auf dem Gelände werden die Werkstätten und Fundusräume untergebracht und später wird noch eine zusätzlich Baracke errichtet.
13. Juni 1922
Gründungsversammlung der „Sächsischen Landesbühne e.V.“ als gemeinnütziger, auf Volkbildung und Kunstpflege ausgerichteter Verein.
1 Million Mk Kapital wird für das Wandertheater gezeichnet, 1. Vorsitzender ehem. Hoftheaterintendant Graf Seebach, 2. Vorsitzender ehem. Kultusminister Dr. Seyfert, Künstlerische Leitung Maximus René, Geschäftsführer Hofrat Schambach und H. Waldheim.
Übernahme der „Künstlerischen Schaubühne des Sächsischen Künstlerhilfsbundes“.
13 Städte und zwei Theatergemeinden schließen sich an (Burgstädt, Eibenstock, Großenhain, Hartha, Leisnig, Limbach, Meerane, Oelsnitz, Olbernhau, Oschatz, Riesa, Schneeberg, Waldheim, Falkenstein, Mittweida) die Bezirksverbände der drei Amtshauptmannschaften Großenhain, Oelsnitz und Stollberg sowie die Landeswohlfahrtsstiftung Dresden und zahlreiche kunstfreundliche Industrielle.
(DNN 16.06./17.06.1922)
Januar 1925
Überleitung des Vereins in einen Zweckverband von 12 Städten, die Geschäftsführung geht an den Zweckverband, die bisherigen Geschäftsführer Schambach und Waldheim werden abgelöst. Die Städte gewährleisten durch monatliche Beitragsleistungen von 350 Mk und die Übernahme der Vorstellungen auf eigene Kosten die Deckung der Kosten des Zweckverbandes. Die Stadt hat für jede Vorstellung 300 Mk zu garantieren, hat die erforderlichen Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und die Kosten des Transports der Bühne sowie der örtlichen Reklame zu tragen. Die Eintrittspreise werden von den Städten festgesetzt. (Erzgeb. Generalanzeiger 13.6.1925)
Spielzeit 1925/26
Das 1. Heft der „Blätter der Sächsischen Landesbühne“ erscheint, die Publikation im violetten Leinenumschlag mit Stückvorstellungen, Theaterfotos sowie dramaturgischen und literarischen Beiträgen verschiedener Autoren entwickelt sich zur besten Theaterzeitschrift Deutschlands
ihrer Zeit. Initiator und Schriftleiter ist Maximus René, Herausgeber der Zweckverband. Bis 1931 erscheinen jährlich 6 Hefte mit je 4 Theaterzetteln des Spielplans und 4 Bildern auf Kunstdruckpapier, gedruckt in der Druckerei Fiedler in Olbernhau.
1926 gehören dem Zweckverband die Gemeinden Falkenstein i. B., Gehringswalde, Hartha, Leisnig, Meerane, Oschatz, Penig, Riesa, Rochlitz und Sebnitz an. Der Sitz des Zweckverbands ist Dresden, vom 1. Mai bis 31. August Olbernhau. Intendant Maximus René führt die gesamte künstlerische und technische Oberleitung, stellvertretende Intendantin, Spielleiterin und Leiterin des Ausstattungswesens ist seine Frau, die Schauspielerin Franziska René-Hilpert. (BJB 1927)
1930
Seit seiner Gründung hat das Theater 200 Werke der deutschen und internationalen Klassik, des Naturalismus und der Gegenwartsdramatik aufgeführt. Es bespielt 20 Gemeinden und verfügt über zwei technisch vollkommen ausgestattete Bühnen mit eigenen Beleuchtungsanlagen, zwei speziell konstruierte Kraftwagenzüge für die Beförderung von Personal und Technik und eigene Werkstätten für Dekorationen, Möbel, Kostüme und Perücken im Olbernhauer Stammquartier.
1929/30 werden bei 135 Reisetagen insgesamt 287 Vorstellungen gegeben, darunter die Erstaufführung von Shakespeares „Othello“ sowie Tolstois „Macht der Finsternis“.
30. April 1931
Auf Grund der Finanznot der Kommunen durch die Wirtschaftskrise Auflösung des Zweckverbandes Sächsische Landesbühne.
Alle Bemühungen um eine Weiterführung als GmbH scheitern. (s.a. Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10736, Ministerium des Innern)
Die Werkstätten in Olbernhau werden zum 1. Juli 1931 aufgelöst, der einzigartige Fundus und der Kraftwagenpark aus Spezialfahrzeugen zum Verkauf gestellt. (DNN 30.6.1931)
Im Landtag beraten die Parteien weiter über eine Rettung, Ministerium des Innern und Finanzministerium sind in Verhandlungen. (DNN 2. Juli 1931)
Der Landtag hat seine Zustimmung für eine Gesellschaft mit staatlicher Beteiligung gegeben und eine entsprechende Summe bereitgestellt, aber die Städte werden sich nicht einig, wollen sogar einen neuen Intendanten bestimmen. Die meisten Mitglieder der Landesbühne sind arbeitslos. (DNN 30. Juli 1931)
Alle Bemühungen Maximus Renés scheitern, sein Lebenswerk als „gemeinnützige Notgemeinschaft in Vereinsform“ zu retten.
Am 15. Oktober 1931 eröffnet René mit einem Teil des Ensembles seine „Sächsische Edelschmiere“, die beiden Kraftwagenzüge der Landesbühne sind vom Zweckverband an den Zirkus Krone verkauft worden (DNN 25. September 1931)
Der weitere Lebensweg des Ehepaars René
15. Oktober 1931
Erste Vorstellung der „Sächsischen Edelschmiere“ als Gastspiel im Residenztheater Dresden,
„Der geschundene Raubritter“ Possenspiel von Friedrich Gerstäcker, neue Bearbeitung von Maximus René, Musik von Ritter v. Ratemal, mit Franziska René-Hilpert, Gretel Fiedler, Charlotte Franz, Senta Hübner, Lena Melcher, Karl Blankmeister, Hans Meierhöfer, Otto Melcher, Erich Schmidt, Reinhold Wolf und Walter Zeidler. Die Eröffnungsvorstellung wird zu Gunsten erwerbsloser Dresdner Bühnenkünstler gegeben.
(Kritik DNN 17.10.1931)
Nächste Premieren: „Der Raub der Sabinerinnen“ (DNN 21.10.1931)
„Die Wurschtbrühe“(Krach um Jolanthe) (DNN 31.10.1931)
Das Ensemble wird 1932 in eine GDBA-Spielgruppe der Erwerbslosenfürsorge und die René-Gastspiele Dresden aufgeteilt.
Mitte November 1932 – 1933 Gastspiele der GDBA/Spielgruppe Dresden (Erwerbslosenfürsorge, gemeinnützig, Mittel vom Reichsarbeitsamt)
Spielorte: Bischofswerda, Cunewalde, Dippoldiswalde, Freital, Großenhain, Großröhrsdorf, Großolbersdorf, Hainichen, Heidenau, Kamenz, Kötzschenbroda, Neustadt, Nossen, Mittweida, Oederan, Pulsnitz, Roßwein, Schandau, Sebnitz, Weinböhla, Wilsdruff, Zschopau René-Gastspiele Dresden, Oberspielleitung Maximus René Spielorte: Bischofswerda, Burgstädt, Dresden, Eibenstock, Falkenstein im Vogtland, Geringswalde, Großenhain, Hartha, Hohenstein-Ernstthal, Leitmeritz, Lichtenstein-Callnberg, Löbau, Meerane, Neugersdorf, Oelsnitz/Erzg., Oschatz, Radeberg, Riesa, Rochlitz, Rumburg, Seifhennersdorf, Werdau
(BJB 1933)
1933/34
René-Gastspiele im Albert-Theater Dresden „Krach um Jolanthe“
Dezember 1936/März-April 1937
René-Gastspiele im Komödienhaus Dresden „Krach um Jolanthe“
Oktober 1937
Maximus und Franziska René geben einen Wilhelm-Busch-Abend im Volkswohl-Saal
(DNN 21.10.1937)
13./14. Februar 1945
Zerstörung ihres Wohnhauses in Dresden, Brucknerstr.13,und Evakuierung der Verletzten
in eine Schule in Freital-Hainsberg. Dort verstirbt Franziska am 3. März 1945 an Herzlähmung. Maximus wird in die Pflegeanstalt Saalhausen gebracht und erliegt am 29. März 1945 einer Hirnblutung.
Wer sich ausführlicher mit dem bewegten Leben dieser beiden Ausnahmekünstler befassen möchte, dem sei der Tatsachenroman "Der Theatermann" von Anja Hellfritzsch empfohlen (DDV-Edition, ISBN 978-3-943444-90-2)
Die NSDAP gründet im Mai 1933 in Dresden auf Weisung von Gauleiter Martin Mutschmann die „Neue Sächsische Landesbühne“. Die Partei vereinnahmt dabei schamlos das Landesbühnen-Konzept als „kulturpolitische und soziale Tat“ für sich und behauptet, dass die Initiative dafür vom Nationalsozialismus kam.
In einem Brief an die Stadtverwaltung von Olbernhau vom 29. Mai 1933 (Kreisarchiv Olbernhau, Bestand 4349) von Organisationsleiter Hans Dehler in Leipzig heißt es: „Die nationale Revolution ist vollzogen. Die deutschen Kulturstätten sind vom Schmutz der letzten 14 jährigen Misswirtschaft gesäubert. Die Bahn ist frei für das deutsche, wahrhaft nationale Theater. (…) Die NSDAP hat es sich selbstverständlich auch hierin zur Aufgabe gemacht, getragen von dem nationalen Verantwortungsgefühl und kraft eines unerschütterlichen Aufbauwillens, auch auf dem Gebiet der neuen Landesbühne saubere Arbeit und vorzügliche Leistungen zu bieten. (…) Die „Neue Sächsische Landesbühne“ untersteht künstlerisch dem Gaukunstwart der NSDAP,
Alexis Posse, Staatstheater Dresden.
Die Vorstellungen werden von einem künstlerischen Ausschuss bezüglich der Qualität geprüft, so dass ein ausgesprochenes Kunstinstitut auf nationaler Basis mit hohem künstlerischen Niveau verbürgt wird.“ Dann folgen die organisatorischen und finanziellen Eckpunkte für die Auftritte in den Gemeinden und die Bitte um Unterstützung.
Die Gastspiele in den Städten werden zunächst von den Ortsgruppen der NSDAP veranstaltet.Von Anfang an ist auch die "Goldene Weintraube" in Radebeul Spielort.
1934 übernimmt die Organisation „Kraft durch Freude“ der DAF. Am 26. Mai 1934 eröffnet die "Neue Sächsische Landesbühne" mit dem Lustspiel "Kupferne Hochzeit" von Svend Rindom die Waldbühne Oybin.
1936 wird das ehemalige „Thalia-Theater“ in Dresden-Neustadt, Görlitzer Str. 6, der Stammsitz der "Neuen Sächsischen Landesbühne".
Am 1. September 1937 wird der Gemeindekulturverband Sachsen gegründet, der fortan das Theater unter dem Namen „Landesbühne Sachsen“ trägt. 1938 gibt es zwei Spielgruppen,
die in der ersten Spielzeit in 200 Orten fast 400 Aufführungen absolvieren. Der Spielplan reicht von Werken wie „Bauer und Knecht“ von Karl Bachler oder „Katte“ und „Agnes Bernauer“ bis zu Schillers „Kabale und Liebe“ und Shakespeares Komödien.
Intendant ist zuerst Walter Heidrich, später Karl Kötschau. Das Ensemble übernimmt auch die Bespielung der Felsenbühne Rathen.
Auf Grund ihres „jungenhaften Heldentums“ und ihres „begeisternden Schwungs“ entdeckt die NS-Kultur die Gestalten Karl Mays für sich. Am 28. Mai 1938 beginnt die Landesbühne auf der Felsenbühne Rathen die ersten Karl-May-Spiele. Namhafte Schauspieler werden dafür engagiert, so Herbert Dirmoser, bekannt aus einem Luis-Trenker-Film, und Fritz Klippe vom Deutschen Theater in Prag. In Anwesenheit von Gauleiter Mutschmann und des geschäftsführenden Vorsitzenden des Reichsbundes der deutschen Freilicht- und Volksschauspiele Moraller hat die Szenenfolge "Winnetou" von Richard Thalheim nach Karl May Premiere.
Propagandaminister Goebbels (dessen Frau gern in Dresden kurte und der die Kunststadt seit 1933 persönlich für ihre treue NS-Gefolgschaft sehr schätzte) war von den Festspielen 1939 so begeistert, dass er das Ensemble für den Sommer 1940 nach Berlin befahl und den ehemaligen Thing-Platz in Werder mit einer Film-Felskulisse als Hintergrund zur Karl-May-Bühne für 8000 Zuschauer umbauen ließ.
1940 lief auf der Felsenbühne Rathen vom 11. Mai bis 30. August 1940 "Der Schatz im Silbersee" als Wildwest-Show mit dem Zirkus Sarrasani, Schauspielern, einem echten Sioux-Indianer und den Mitgliedern des Radebeuler Indianerclubs "Manitou". Das ist der Programmzettel (SLUB Dresden):
In der Spielzeit 1941/42 werden von der "Landesbühne Sachsen" ca. 180.000 Besucher gezählt, davon 20.000 Wehrmachtsangehörige.
Die letzte Produktion des Theaters ist 1944 Friedrich Lienhards „Wieland der Schmied“ auf der Freilichtbühne in Kamenz und der Felsenbühne Rathen. Dort findet am 13. August 1944 die letzte Vorstellung vor Schließung der Theater im totalen Krieg am 1. September statt.
(s.a. Riesaer Tageblatt 8. 8.1944)
Intendant Kötschau tritt erst am 30. Mai 1945 zurück.
Anfang Juni 1945 stellt der neugebildete antifaschistische Betriebsrat der „Landesbühne Sachsen“ beim Dezernenten Dr. Grohmann der Stadtverwaltung Dresden einen Antrag auf Spielerlaubnis und verspricht, das Theater konsequent zu entnazifizieren. Als neue Leiter werden der langjährige Spielleiter Paul Weyland von der Landesbühne und der ebenfalls altgediente Zirkus-Busch-Direktor und Leiter der Karl-May-Festspiele Rathen Adolf Steinmann präsentiert, die plötzlich als „Genossen“ auftreten.
Der Versuch ist erfolglos und die NS-Landesbühne Geschichte.
(Stadtarchiv Dresden, Bestand 4.1.13, Nr.152)
Die Entwicklung der Landesbühnen Sachsen von 1945-1990
Volksoper Plauen- Gittersee 1945-1949
7. Juni 1945 Übernahme des 3. Dresdner Verwaltungsbezirkes (Dresden West, Löbtau bis Stetzsch) durch Bezirksleiter Fritz Dämmig (Tageszeitung 9. Juni 1945)
Juni 1945 Zusammenschluss von Dölzschen, Gittersee, Plauen und Coschütz zur Bezirksverwaltung VI.
Mit dem Aufbau von Ernährungs-, Sanitäts- und Kulturamt sowie der Transport-Leitstelle wird bereits am 15. Mai 1945 der Opernsänger, Lebensreformer, Buchautor und Verleger Alfred Emil Grotzinger (*1885 Straßburg; †1980 Donaueschingen) beauftragt.
22. Juni 1945 Erster Auftritt der "Künstlerspielgemeinschaft Dresden-West" im Rathaussaal Dresden-Plauen.
Erste Mitglieder der KSG Dresden-West: Elfriede Sieghardt (Sängerin, Theater Halberstadt, zerstört April 1945); Gottlob Frick (Sänger, Staatsoper Dresden, zerstört Februar 1945); Margarete Düren (Anfängerin, vorher ohne Engagement); Charlotte Friedrich (Schauspielerin, Komödienhaus Dresden, zerstört Februar 1945); Linnie Ferrick (Tänzerin/Ballettmeisterin, Theater Münster, zerstört Juli 1941); Heinz Hoeglauer (Kapellmeister, Theater Darmstadt, zerstört 1944); Hans Carl
(Violonist, Staatskapelle Dresden).
Emil Grotzinger besucht dieses Konzert, ist von den Künstlern begeistert und beschließt, ihnen kraft seines Amtes im Gasthof Gittersee einen würdigen Theatersaal zu schaffen. Gleichzeitig übernimmt er die Leitung und Organisation des Ensembles. Bereits am 12. August 1945 findet die Eröffnung des ausgebauten Saales mit einem Festprogramm statt, an dem der Dresdner Kreuzchor und das ständig wachsende Ensemble beteiligt sind. Dieser Tag gilt als Gründungsdatum der heutigen Landesbühnen Sachsen.
12. August 1945 15 Uhr Eröffnung „Festsaal Gittersee“ Dresden A 41 Karlsruher Str. 83 E durch die Künstlerspielgemeinschaft Dresden-West und den Dresdner Kreuzchor
unter Leitung von Prof. Rudolf Mauersberger
Festlicher Beginn mit dem „Wach-auf-Chor“ aus Wagners „Meistersingern“
Gesang der Knaben aus „Parsival“
Konzert für zwei Violinen von Vivaldi (Hans Carl und Anneliese Möhner)
Opern-Suite ML Heinz Hoeglauer
Abends: „Wir stellen vor“ Operettenkonzert im Stil einer Generalprobe Manuskript und Inszenierung: Erwin Sachse-Steuernagel
(lyrischer Tenor, Mitglied des „Meister-Sextetts“ (Nachfolger der Comedian-Harmonists), bis 1944 Oberspielleiter und Schauspieler am Theater im Berliner Prater); ML: Rolf Jürgens, Tänze: Adolf Gassert (bis 1934 Residenztheater Dresden),
Chöre: Fritz Liebscher (geb. 1907 Dresden, Kreuzschule und Kreuzchor, Studium von 1929-1936 in Dresden, Komponist ab 1935, gefördert von Rudolf Mauersberger und Gerhard Paulik, †1995 Dresden);
mit Charlotte Leidert, Kurt Triebel (bis 1944 Chorsänger am Theater des Volkes Dresden),
Olga Dietrich (bis 1944 freischaffende Sängerin), Lisa Otto (bis 1944 Oberschlesisches Landestheater Beuthen), Erwin Sachse-Steuernagel, Ulla Binder (bis 1944 freischaffende Sängerin), Werner Firle (bis 1944 Chorsänger am Theater des Volkes Dresden) , Ursula Gründel (bis 1944 Stadttheater Karlsbad, Ehefrau von Hans-Hendrik Wehding, Kapellmeister ebenda),
Elfriede Sieghardt (bis 1944 Theater Halberstadt), Herbert Neck (bis 1944 Gastspieldirektion 4a: Deutscher Veranstaltungsdienst GmbH München), Chor, Orchester
1. September 1945 Gründung der „Volksoper Plauen“ als Privatunternehmen (Geschäftsstelle Saarstr. 2), Intendant und Geschäftsführer Emil Grotzinger, Spielleiter Wilhelm Rohde, Chordirektor Fritz Liebscher. Emil Grotzinger baut von da an kontinuierlich mehrere Ensembles und Orchester sowie die Besucherringe auf. Junge Autoren und Bühnenkünstler werden gefördert.
Samstag, 25. August 1945 19:00 1. Premiere der Volksoper Plauen in Gittersee: „Herz immer Trumpf“ Operette in 3 Akten von Erwin Sachse-Steuernagel; Regie: Sachse-Steuernagel, ML: Felix Neubauer, Tänze: Adolf Gassert, Chöre: Fritz Liebscher
mit Lisa Otto, Olga Dietrich, Ursula Gründel, Ulla Binder, Erwin Sachse-Steuernagel, Werner Firle, Eberhard Päßler, Annemarie Siemank, Max Wolf
Sonntag, 26. August 1945 15:00 „Ein bunter Opernnachmittag“
ML: Heinz Hoeglauer; Szenen aus Rigoletto, Martha, Troubadour, Faust und Margarethe
mit Delia (Dorothea) Dressel (bis 1943 Stadttheater Plauen), Margarethe Düren, Lisa Otto, Lotte Kluge (bis 1944 Stadttheater Weimar), Hans Löbel (bis 1944 Chorbass Staatsoper Dresden), Herbert Neck, Werner Firle
11. und 13. September 1945 16:00 „Der Märchenonkel erzählt das Märchen vom Froschkönig“
(Märchenspiel von R. Bürkner)
13. Oktober 1945 „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke;
ML: Kurt v. Kessinger, Regie: Wilhelm Rohde (er verstarb am Premierentag im Krankenhaus), Bühne: Arthur Jähnichen, Tänze: Adolf Gassert;
mit Lucie König/Elfriede Sieghardt (Julia), Ursula Gründel (Hannchen), Herbert Neck (Wandergesell)
(Kritik Volkszeitung 14.10.1945)
6. November 1945 Volksoper Plauen 1. Schauspielpremiere „Der wahre Jacob“ von Arnold und Bach mit Ulla Binder und Werner Firle, Regie: Manfred Schäffer
24. November 1945 1. Opernaufführung: „Der Bajazzo“ von Leoncavallo (Deutsch von Ludwig Hartmann, Dresden);
ML: Kurt von Kessinger, Regie: Alfred Hartenstein, Chöre: Fritz Liebscher, Bühne: Arthur Jähnichen; mit Paul Lothar (Tonio), Delia Dressel (Nedda), Alfred Hartenstein (Canio, bis 1944 Reichsgautheater Posen), Fritz Altmann (Silvio, bis 1944 Stadttheater Zittau), Kurt Triebel (Beppo)
Kritik Dresdner Volkszeitung 1. Dezember 1945
„...Intendant Emil Grotzinger unternahm nach gewissenhafter Vorbereitung das Wagnis – und es gelang: Die Aufführung von Leoncavallos, vom Dresdner Ludwig Hartmann eingedeutschten Musikdrama „Der Bajazzo“ wurde ein künstlerischer und ein Publikumserfolg, auf den das Unternehmen am Südrand Dresdens stolz sein kann. Unter der Leitung von Kurt von Kessinger wurde tüchtig musiziert (selbst die schwierige Chorfrage war durch Fritz Liebscher ausgezeichnet gelöst worden), in dem von Arthur Jähnichen geschickt und hübsch ausgestalteten Bühnenbild wurde sehr lebendig gespielt (Spielleitung: Alfred Hartenstein). Die hervorstechendste solistische Leistung war die von Paul Lothar als Tonio, der gleich mit der gesanglich und vortraglich eindrucksvollen Gestaltung des Prologs aufhorchen ließ: eine prachtvolle Stimme, ein intelligenter, in Maske und Rollenauffassung eigene Wege gehender Darsteller. Die jugendfrische, warmgetönte Stimme Delia Dressels kommt der Figur der Nedda sehr entgegen. Alfred Hartenstein gibt der Figur des Canio erschütternde Akzente. Die Verhaltenheit des Spiels rückt den Silvio Fritz Altmanns wirkungsvoll aus der Sphäre des Komödiantentums in die bäuerliche Naivität, die kulturvolle Behandlung seiner wertvollen, sympathisch timbrierten Stimme gibt der Rolle Gewicht und Ansehen.“ (Karl Laux)
20. Dezember 1945 15:00 UA „Der Weihnachtstraum“ Märchenspiel in 4 Bildern von Erwin Sachse-Steuernagel, Musik von Humperdinck;
mit dem Märchenonkel, Ballett, Kinderballett, Chor und Orchester der Volksoper Plauen
Das Theater ist gut geheizt! (Volkszeitung 20.12.1945)
25. Dezember 1945 18:30 Premiere „Mignon“ Oper von A. Thomas;
ML: Herbert Nerlich (bis 1944 Städtischer Musikdirektor Stadttheater Meißen), Regie: Emil Grotzinger, Chöre: Fritz Liebscher, Bühne: Arthur Jähnichen
mit Margarete Düren, Lisa Otto, Herbert Neck, Fritz Altmann, Kurt Triebel
Januar 1946 „Das Land des Lächelns“ Operette von Franz Lehár;
ML: Herbert Nerlich, Regie: Alfred Horsten (bis 1944 Central-Theater Dresden), Chöre: Fritz Liebscher, Bühne: Rudi Liske, Tänze: Gertrude Baum-Gründig;
mit Herbert Neck (Su Chong), Lucie König (Lisa), Ursula Gründel (Mi), Erich Kempf (Gustl, bis 1944 Stadttheater Plauen), Erich Schaffranke (Obereunuch)
26. Januar 1946 Premiere „Cavalleria rusticana“ Oper von Mascagni, vorher Sinfonie h-Moll von Franz Schubert und Hebriden-Ouvertüre von Mendelssohn-Bartholdy;
ML: Kurt von Kessinger; mit Delia Dressel (Santuzza), Alfred Hartenstein (Turridu), Paul Lothar (Alfio), Lisa Otto (Lola), Lotte Kluge (Lucia)
6. März 1946 Premiere „Tiefland“ Oper von d’Albert;
Dirigier-Debut von Hans-Hendrik Wehding (bis 1944 Kapellmeister Theater Karlsbad) an der Volksoper,
Regie Emil Grotzinger, mit Erika Hoffmann, Alfred Hartenstein, Paul Lothar, Lisa Otto
(Kritik Sächsisches Tageblatt vom 07.03.1946)
21. April 1946 Premiere „Margarethe“ Oper von Gounod;
ML: Hans-Hendrik Wehding, Regie: Emil Grotzinger, Bühne: Arthur Jähnichen, Chöre: Fritz Liebscher, Tänze: Gertrude Baum-Gründig;
mit Hans Michel (Faust, erster Solopart), Paul Lothar (Mephisto), Erika Hoffmann(Margarethe);
Fritz Altmann (Valentin), Lotte Kluge (Marthe) (Kritik Sächsisches Tageblatt 25. 04. 1946)
14. Mai 1946 Premiere „Madame Butterfly“ Oper von Puccini
26. Juni 1946 Premiere „La Traviata“ Oper von Verdi
29. Juni 1946 Volksoper Plauen, Festaufführung zu Gunsten des Ausbaus der Volksoper mit Jubelhymnus für Soli, Chor und Orchester, gedichtet von Emil Grotzinger , komponiert von Chordirektor Fritz Liebscher, und
„La Traviata“, Regie: Emil Grotzinger, ML: Herbert Nerlich, Bühne: Rudi Lißke, mit Ilse Bräunling, Ulla Binder, Traute Corty, Dora Hyka, Kati Schopen, Elly Tschorn, Fritz Altmann, Hans Michel, Siegfried Möller, Hans Lange, Martin Schmidt, Martin Tietze, Max Wolf, Alf Scorell, Erhard Rehn
Die Volksoper bespielt 20 Bühnen und kommt im Monat auf 60 Aufführungen, es gibt ein Opern-und ein Operettenensemble mit eigenen Orchestern, einen Chor, ein Lustspielensemble, ein in allen Rollenfächern mehrfach besetztes Solistenensemble, auch die kleinste Rolle wird mit Solisten besetzt, das Theater erhält keinerlei staatliche Zuschüsse, deshalb werden publikumswirksame Werke gespielt. Für die Spielzeit 1946/47 sind vorgesehen: „Carmen“, „Wildschütz“, „Tosca“, „Barbier von Sevilla“, „Troubadour“, „Verkaufte Braut“, „Fra Diavolo“, „Samson und Dalila“, Operetten „Glückliche Reise“, „Maske in Blau“, „Der Obersteiger“, Wehdings Oper „Die Fackel“ soll ihre Erstaufführung erleben, Grotzingers Opern-Einakter sollen jungen Komponisten als Sprungbrett dienen, es werden Ausbau der Spielstätten und Versenkung des Orchesters in Gittersee geplant (Sächsisches Tageblatt 3. August 1946, Pressekonferenz der Volksoper)
10. August 1946 Premiere „Glückliche Reise“ Operette von Eduard Künneke
ML: Karl-Herbert Bratfisch (1944 Kapellmeister-Anwärter), Regie: Gerd Hecker (bis 1944 Oberschlesisches Landestheater Beuthen), Bühne: Harry Huster;
mit Natalie Hinsch (Lona, bis 1944 Deutsches Theater Oslo), Kurt Köhler (Robert, bis 1944 Stadttheater Troppau, Fronteinsatz), Ursula Gründel, Erich Kempf, Fred Piegsa (bis 1944 Solist und Direktor Central-Theater Dresden), Steinmetz
(Kritik Sächsisches Tageblatt 13.08.1946)
17. August 1946 Premiere „Carmen“ Oper von Bizet
05. Oktober 1946 Premiere „Der Barbier von Sevilla“ Oper von Rossini
02. November 1946 Premiere „Maske in Blau“ Operette von Raymond/Hentschke
ML: Hans-Hendrik Wehding, Regie: Gerd Hecker, Bühne: Lißke, Tänze: Gertraude Hehr (bis 1944 Theater Brandenburg)
mit Natalie Hinsch (Eveline), Erich Claus (Armando, bis 1944 Stadttheater Karlsbad, Fronteinsatz), Ursula Gründel (Juliska), Fred Piegsa, Erich Kempf
(Kritik ST 05.11.1946)
07. Dezember 1946 Premiere „Hänsel und Gretel“ Oper von Humperdinck
04. Januar 1947 Premiere „Der Zigeunerbaron“ Operette von Strauss
Hungerwinter 1946/47. Die inzwischen über 300 Mitarbeiter der Volksoper spielen trotz Lebensmittel- und Wasserknappheit und der Minus 25 Grad und 40 Tage Dauerfrost des Jahrhundertwinters weiter und erreichen teils mit Pferdeschlitten die Spielorte.
Rosenmontag und Faschingsdienstag 1947 Volksopern-Fasching in Gittersee
„Ein Fest beim Prinzen Orlofsky“
01. Februar 1947 Premiere „Die Entführung aus dem Serail“ Oper von Mozart
30. März 1947 Premiere „Der Freischütz“ Oper von Weber
04. Juni 1947 Premiere „Rigoletto“ Oper von Verdi
Juli 1947 Emil Grotzinger will den Ausbau in Gittersee in Angriff nehmen und plant zusätzlich ein Kinder- und Jugendtheater.
Die Öffentlichkeit bescheinigt der Volksoper höchstes künstlerisches Niveau. SED und FDGB gründen die ideologisch orientierte „Deutsche Volksbühne Dresden GmbH“, um über Kultur und Bildung größeren Einfluss auf die Bevölkerung zu gewinnen.Die unkontrollierbaren Privattheater sollen schrittweise ausgeschaltet werden. Zwei Betriebsräte der Volksoper ohne Verwaltungskompetenz wollen aus persönlichen Motiven und möglicherweise politisch gesteuert die Volksoper übernehmen und in die Volksbühne eingliedern. Sie erzwingen am 17. Juli 1947 auf einer Vollversammlung mit falschen Anschuldigungen den Rücktritt Grotzingers, der das Theater schuldenfrei an ihre Kollektiv-Leitung übergibt. Nach außen propagieren die neuen Leiter den drohenden Ruin des Theaters durch privatwirtschaftliches Versagen, entlassen Teile des Ensembles und erhöhen Gagen und Eintrittspreise. Die Vorstellungszahlen müssen zurückgefahren werden, das Publikum reagiert auf die Preise, die Einnahmen sinken. Spielfähig bleibt der Betrieb nur durch die Ausleihe von Ausstattung und Aufführungsmaterial von Grotzinger. Die Volksbühne Dresden GmbH lehnt die Übernahme aus Kostengründen ab, da sie selbst von Anfang an mit großen Problemen in ihren Interims-Theatern Cotta und Leuben zu kämpfen hat und die konkurrierende Volksoper ohnehin lieber abgewickelt sähe. Ende 1947 steht die lange sehr erfolgreiche und überall bekannte Volksoper Plauen durch Mißwirtschaft vor dem finanziellen Aus und wird zum Image-Problem für die SED-Kulturpolitik.
1948
Obwohl die Volksbühne selbst am Rande des Abgrunds steht, muss sie auf Weisung von SED und FDGB am 1. Januar 1948 die defizitäre Volksoper aufnehmen und versucht, das Ensemble des großen, aufwändigen Betriebes nach kurzer Zeit außerordentlich zu kündigen. Die Not und der Besucherschwund wachsen zusätzlich durch die Währungsreform im Juni 1948. Das Ensemble hält zusammen, wagt und gewinnt die Klage auf Weiterbeschäftigung und spielt zur Rettung seines Theaters monatelang ohne Gage auf eigenes Risiko weiter. Am 9. Januar hebt sich der Vorhang zur ersten Uraufführung der Volksoper: der komischen Oper „Ein Funken Liebe“ von Emil August Glogau, komponiert von Hausdramaturg Fritz Reuter.
Am 29. November beschließt eine erneuerte Kollektivleitung der Volksoper Plauen einstimmig, Emil Grotzinger um die Rückkehr als Intendant zu bitten. Der lehnt auf Grund der eingetretenen finanziellen Schieflage des Betriebes, seiner erlittenen materiellen Verluste und der persönlichen Kränkung ab. (alle Dokumente dazu im Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 12904, Landesbühnen Sachsen, Nr. 1401).
Sowjetische Kulturoffiziere setzen bei der deutschen Verwaltung die staatliche Finanzierung der Volksoper und ihre Neuaufstellung als Reisetheater „Landesoper Sachsen“ durch.
Kurt Lenz (1. Intendant der Landesoper Sachsen von 1949-1950)
Musiker aus Leipzig, verfolgter Kommunist; 1934 Hochverratsprozess vor dem Volksgerichtshof Dresden, Inhaftierungen im Konzentrationslager Colditz und im Zuchthaus Waldheim, von den Amerikanern befreit. 1945 wurde er Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst in Leipzig und Intendant des Operettentheaters Dreilinden.
(Zeitzeugengespräch Angelika Raulien mit Tochter Eva-Maria Hillmann, LVZ 17.07.2015/ Deutsches Bühnenjahrbuch 1945-48) 1. Oberspielleiter der Landesoper wird der bekannte Solist, Bühnenlehrer und Regisseur Kammersänger Hanns Lange. Vor 1945 war er Sänger und Regisseur an der Staatsoper Dresden und seit 1. Mai 1937 Mitglied der NSDAP und Leiter der Reichstheaterkammer im Gau Sachsen. Wie andere belastete Bühnenstars und Musikgrößen in Dresden wird er mit Billigung der sowjetischen Militäradministration im Eilverfahren entnazifiziert, um das kulturelle Leben schnellstens anzukurbeln und Lebensmut und Arbeitsmoral der Bevölkerung zu stärken. Hier zwei Auszüge aus dem Heft zur Eröffnung mit Zeichnungen von Else Sturm-Lindner und dem ersten Patenschaftsvertrag des Theaters nach sowjetischem Muster:
20. August 1949 1. Premiere der Sächsischen Landesoper der Deutschen Volksbühne in Gittersee
„Figaros Hochzeit“ Oper von Mozart;
Galaveranstaltung mit Ministerpräsident Seydewitz und weiteren hohen Ehrengästen, Begrüßungsrede von Intendant Kurt Lenz
ML: Herbert Nerlich, Regie: KS Hanns Lange , Chöre: Fritz Liebscher, Bühne: Rudolf Herrmann;
mit Katharina Bönisch (Gräfin), Günther Schneewitz (Graf), Fritz Kiefer (Figaro), Franz Schlickelmann (Bartolo), Fritz Preis (Basilio), Werner Passolt (Curzio), Ruth Tiedemann (Susanne), Armgard Richter (Cherubino), Christa Tannert (Marzelline), Yvonne Büttner (Barbarina)
(Kritik SZ 2.08.1949)
Spielgebiet der Landesoper Es umfasst über 80 sächsische Orte. Als Schwerpunkte werden angesehen:
das Stahl- und Walzwerk Riesa, das Bergbaugebiet Aue-Schneeberg, das Braunkohlengebiet Borna-Espenhain, das Steinkohlengebiet Oelsnitz/Erzgeb., das Bergbaugebiet Zwickau/Oelsnitz i. Vogtl., das Stahl- und Walzwerk Gröditz, das Bad der Werktätigen Bad Elster, ferner die Orte Chrimmitschau, Freiberg, Glauchau, Limbach, Lugau, Meerane, Mittweida, Reichenbach i.V. u.a.m. Unzureichende Bühnen und Räumlichkeiten für das Ensemble,Stromsperren, Kälte und schlechte Versorgung sind an der Tagesordnung. Zur Lösung der Transportfrage wird ein Vertrag mit dem VVB Kraftverkehr Land Sachsen abgeschlossen. Es stehen nur wenige überalterte, störanfällige Fahrzeuge zur Verfügung, die aus dem Linienbetrieb abgezogen werden müssen. Endlose Reisezeiten und Verspätungen beim Vorstellungsbeginn durch Pannen und Komplettausfälle sind die Folge. Am 8. Juli 1949 wird im Hotel „Grüner Baum“ in Großröhrsdorf die Verdi-Oper „Ein Maskenball“ als erste Abstechervorstellung der neuen Landesoper gegeben.
Anfang 1950 Übernahme der Intendanz durch den bisherigen Verwaltungsdirektor Kurt Klees (Intendant 1950-52)
Juli 1950 Umzug der "Landesoper Sachsen" in den Gebäudekomplex des Gasthofes, Versammlungssaals und Kinos "Goldene Weintraube" in Radebeul
Verwaltungsdirektor wird Reinhold Hoffmann. Mit einer Aufführung der Puccini–Oper „Tosca“ wird die Bühne am 29. August 1950 eingeweiht. Webers „Freischütz“ eröffnet am 20. September 1950 die neue Spielzeit.
Die Geschichte des Gasthofes "Goldene Weintraube" Radebeul
1821 Karl Louis Heine übernimmt die Gastwirtschaft „Zur Weintraube“
Sie befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Huttermannschen Weinberges, der im Mittelalter den Meißner Bischöfen gehörte. Mit dem Bau neuer Verkehrswege im Elbtal und dem aufkommenden Tourismus beginnt die Erfolgsgeschichte des ältesten Gasthofes der Westlößnitz.
1838 19. Juli – Erste Teil-Befahrung der Dresden-Leipziger Eisenbahn
Am ersten Tag werden auf sechs Fahrten 1600 Reisende vom Leipziger Bahnhof Dresden-Neustadt bis zum Bahnhof Weintraube in der Niederlößnitz und zurück befördert. Die gesamte Strecke wird von Militär abgesichert und von hunderten Schaulustigen gesäumt. Mit der Lokomotive „Komet“ dauert die Zugfahrt 35 Minuten. In Heines Gasthof, der nun „Goldene Weintraube“ heißt und zur Bahnhofswirtschaft aufsteigt, feiern die Fahrgäste mit Böllerschüssen, Musikcorps und festlichem Brunch den Beginn eines neuen Zeitalters. Der geschäftstüchtige Wirt lässt direkt am Haltepunkt in der Nähe des Absteigeplatzes bei der Drehscheibe einen Imbiss- und Konzertpavillon errichten, die „Kleine Weintraube“.
1839 17. August – Gründung der Gemeinde Niederlößnitz in der „Weintraube“
Der Gasthof etabliert sich als regionales Zentrum für politische Versammlungen, das Vereinsleben und bürgerliche Festveranstaltungen zu Jubiläen der Monarchie und des Staates.
1847 Neubau und Vergrößerung nach einem Brand 1846
Das Anwesen wird mit einem Stall für 40 Pferde und einem Tanz- und Festsaal erweitert, in dem es ein „eingerichtetes Theater“ gibt. Stimmungsvolle Bälle, Orchesterkonzerte, Winzerfeste und Vergnügungen aller Art ziehen das Publikum an. Nach dem Tod Heines 1854 erlebt das Gasthaus viele Besitzerwechsel. Es kommen Hotelbetrieb, Radfahrerstation, Asphalt-Kegelbahn, Billard und Konzert-Garten hinzu.
1922 Rudolf Körtel erwirbt die Liegenschaft und hat große Pläne
Das Lokal wird Mittelpunkt großangelegter Frühlings- und Winzerfeste mit allen Vereinen des als „Sächsisches Nizza“ beworbenen Ortes. Darbietungen der Ballettschule von Walter Kreideweiß, von Kurorchestern und Kleinkunstbühnen sorgen für Zulauf. Körtel öffnet als erster Saalinhaber in der Lößnitz das Haus für den Schwarz-Weiß-Roten Block und die NSDAP. Die 1871 geborene Ida Schaye betreibt im Nebengebäude seit 1914 einen kleinen Kolonialwarenladen, aus dem sie von Körtel vertrieben wird. Seit dem 17. Juni 2024 erinnert ein Stolperstein vor dem Theater an die verfolgte Jüdin, welche 1942 in Theresienstadt ermordet wurde.
1934/35 Umbau der Gebäude durch die Architekten Gebr. Kießling
Kühle Sachlichkeit löst den Gründerzeitstil ab. In der Absicht, der NSDAP Radebeul eine zentrales Versammlungslokal zu schaffen, wird der große Saal nach Süden erweitert. Er ist seit 1933 auch ein Spielort der „Neuen Landesbühne Sachsen“ der NSDAP. Der kleine Saal wird zum Kino mit 400 Plätzen umgebaut. Die östlichen Gasträume werden zum „Stadtkaffee“ mit Tanzdiele vergrößert. Am 12. Oktober erfolgt die Neueröffnung nach vier Monaten Bauzeit. Es gastiert das "Meister-Sextett", das Nachfolgeensemble der "Comedian Harmonists".
1937 Am 17. Oktober Besuch von amerikanischen Ureinwohnern
Eine Gruppe Seneca-Irokesen vom Dresdner Zirkus Sarrasani besucht auf der Durchreise zum Gastspielort Mährisch-Ostrau (Ostrava) in der Tschechoslowakei (ČSR) Museum und Grabstätte Karl Mays. Sarrasani hat sie dafür mit großen Grabkränzen ausgestattet, verziert mit Hakenkreuzschleifen. In der „Goldenen Weintraube“ werden Häuptling „Red Eye“ und seine Begleiter in ihrem Original-Habit als einzigartige Mittagsgäste begrüßt und erregen großes Aufsehen bei den Radebeuler Einwohnern.
1945–1950 Radebeul unter dem roten Stern
Nach der Befreiung am 8. Mai 1945 wird Radebeul Sitz der 7. Abteilung der politischen Verwaltung der 1. Ukrainischen Front und der stalinistischen „Gruppe Ackermann“, die den Einfluss der KPD in Sachsen auf die Nachkriegsordnung und die spätere vollständige Machtübernahme sicherstellen soll. Dienstag, 12. Juni 1945 Eröffnung Varieté im Saal der „Goldenen Weintraube“ unter dem Namen
„Volkstheater der Stadt Radebeul“.
Künstlerische Leitung: Herbert Mühlberg, 1944 Leiter des Freizeitstudios Gau Sachsen;
Radebeul, Dietrich-Eckart-Str. 39 (heute Soermus-Str.). Das Unternehmen besteht nur einige Wochen und wird von der KPD scharf kritisiert. Der als „Nazi-Aktivist“ eingestufte Körtel wird verhaftet und enteignet und der Gebäudekomplex bis Ende 1949 als Kulturhaus für die Sowjetarmee genutzt. Im Frühjahr 1950 zieht die Sächsische Landesoper in ihr neues Domizil ein und weiht dieses am 29. August 1950 mit einer Vorstellung der Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini ein.
1. Januar 1951 Übernahme des Ensembles der Maxim-Gorki-Bühne Schwerin, Gründung des Landesschauspiels Sachsen
Zu Beginn der Spielzeit 1951-52 Eingliederung des Ensembles des aufgelösten Lessing-Theaters Kamenz in das Landesschauspiel
15. Februar 1951 Premiere der Oper „Enoch Arden“ von Otmar Gerster in Anwesenheit des Komponisten
15. Juli bis 15. August 1951 Erweiterung der Bühne, Vertiefung des Orchesterraumes, Renovierung und Neubestuhlung des Zuschauerraumes, Anbau eines Probensaales
Herbert Krauss
Intendant 1952-1958
Vorher war er Hauptreferent der Landesregierung Sachsen, Verwaltung für Kunstangelegenheiten – Referat Darstellende Kunst (Auflösung der Länder Juli 1952, Klees wird an die Staatsoper Berlin berufen).
„Wenn die Landesbühnen in ihrer Tätigkeit stattliche Erfolge nachweisen können, danken sie das neben der bereitwilligen Hilfe des Staates vor allem ihrer unermüdlichen, zähen Pionierarbeit. Was da an Entbehrungen, Anstrengungen und Unbequemlichkeiten vom Intendanten bis zur einfachen Hilfskraft hingenommen und bewältigt wird, ist von Außenstehenden kaum zu begreifen.“
Seine besonderen Verdienste sind, auf der einen Seite die Pflege der klassischen Oper fortgesetzt und auf der anderen Seite der modernen Oper an den Landesbühnen zum Durchbruch verholfen zu haben sowie eine regelmäßige Konzerttätigkeit des Orchesters eingeführt zu haben.
1952 Erhebung von Paul Hölzigs „Bärenfelser Puppenspielen“ zum Staatlichen Puppentheater.
Es blieb bis 1964 Bestandteil der Landesbühnen, Eröffnung am 22. November 1952 mit der Inszenierung „Der fröhliche Sünder“ von Solowjew/Hölzig.
1952/53 59 Abstecherorte der Oper, 92 des Schauspiels, nur drei Vorstellungen/Monat im Stammhaus
Ab 1953/54 nach Auflösung der Volksbühne und wegen mangelhaften technischen Bedingungen nur noch 10 Abstecherorte mit den am besten ausgestatteten Häusern und 16 Vorstellungen/Monat im Stammhaus Radebeul, Etablierung eines Bus-Zubringersystems für das Publikum.
Ab 1952/53 spielt das Orchester der Landesbühnen jährlich zusätzlich zum Opernbetrieb zwei bis vier Kammermusikabende und ein bis zwei Sinfoniekonzerte, später noch die IX. Sinfonie von Beethoven zu Silvester.
Bespielung der Felsenbühne Rathen
1950 "Tiefland"; 1952 „Die verkaufte Braut“; 1953 "Wilhelm Tell" und Oper „Ero der Schelm“; 1954 Übernahme der alleinigen Bespielung der Felsenbühne mit Schauspielpremiere "Götz von Berlichingen" und Oper „Der Waffenschmied“; 1955 "Wilhelm Tell" und Oper „Tiefland“; 1956 erstmals „Der Freischütz“ als Freilichtaufführung; 1957 Operette "Der Zigeunerbaron" und "Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare; 1958 "Die verkaufte Braut" und "Wilhelm Tell"; 1960 "Zar und Zimmermann" und "Die Jungfrau von Orleans" von Schiller;1961 "Der Freischütz" und UA "Abenteuer am Mississippi"
30. Januar 1955 Premiere Uraufführung „Der Wundervogel“ Oper von Guido Masanetz nach einer chinesischen Erzählung
Mai 1955 Bildung eines Kabarett-Ensembles aus Mitgliedern verschiedener Sparten
1956 Erhöhung des Zuschauerraums und Einbau einer Entlüftungsanlage
1957 Gründung eines Filmstudios (16 mm) unter Leitung von Tontechniker Helmut Güttner;
Hergestellt wird zuerst ein erfolgreicher Werbefilm über die Felsenbühne Rathen, Aufträge der Kunsthochschule für Herstellung von Lehrfilmen für die Ausbildung von Maskenbildnern,Requisiteuren und Theaterhandwerkern folgen.
1957 Die langjährige Kostümbildnerin Eva Christ beginnt ihr Engagement an den Landesbühnen Sachsen
(Abitur, Fachklasse für Modegestaltung an der Fachschule für Angewandte Kunst in Leipzig, Meisterschülerin, Fachlehrerin für Modegestaltung in Wismar, Diplom als Kostümbildnerin an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, Kostümbildnerin und Gewandmeisterin am Elbe-Elster-Theater Wittenberg)
Februar 1958 Bezirkskulturkonferenz der SED
Es folgt eine ideologische Offensive, z.B. gegen spießbürgerlichen und dekadenten Vergnügungsrummel in Kleinkunst und Veranstaltungswesen. Organe der Staatsmacht sollen
ihre kulturell-erzieherische Funktion stärker ausüben und die Arbeiterklasse in die Lösung kultureller Fragen einbeziehen. Grundaufgaben sind die ständige Erläuterung der sozialistischen Perspektive, die Rolle der DDR, die Darlegung des Wesens sozialistischer Kultur, die durch ihren offenen, kämpferischen und parteilichen Charakter Einfluss auf die sozialistische Bewusstseinsbildung der Werktätigen in Stadt und Land nimmt.
Im Theaterwesen müssen die gesellschaftlichen Organisationen, die Besucherräte und die örtlichen Staatsorgane leidenschaftlich und geduldig mit den Theaterleitungen gemeinsam um den bestmöglichen Spielplan ringen. Der ideologische Gehalt des Spielplans muss in Aussprachen im Vordergrund stehen. (…) Der gesamte Spielplan muss mit sozialistischem Geist erfüllt sein. (siehe Sächsische Zeitung 26.02.1958)
Juli 1958 V. Parteitag der SED, Einführung der 10 Gebote der sozialistischen Moral
Die sozialistische Kulturrevolution als notwendiger Bestandteil der gesamten sozialistischen Umwälzung, in der die kulturelle Massenarbeit mit der politischen Massenarbeit, mit der sozialistischen Erziehung und allen Maßnahmen zur Steigerung der sozialistischen Produktion und der Produktivität der Arbeit auf das engste verbunden ist. Es kommt darauf an...die Entfremdung zwischen Künstler und Volk zu überwinden. Das erfordert einerseits, dass die kulturellen Bedürfnisse der Massen auf einem höheren Niveau Befriedigung finden, so dass Unterhaltung und Kultur wieder vereinigt und in den Dienst der sozialistischen Bewusstseinsbildung gestellt werden. (…) Die Methode des sozialistischen Realismus dient dabei allen Künsten, die Überreste der bürgerlichen Dekadenz und des Formalismus sowie die Neigungen zu sentimentalem Kitsch zu überwinden.
(SZ 11.07.1958)
Rudolf Kostka (Intendant 1958-1964)
Er war bis dahin stellvertretender Intendant der Komischen Oper Berlin. In seiner Amtszeit finden besonders viele Ur- und Erstaufführungen statt.
Verwaltungsdirektor: Reinhold Hoffmann; 2. Bühnenbildner: Eberhard Söhnel (als Gast ab 1961, fest ab 1963); Operndirektor Reinhard Schau (fest ab 1963); 1959 kommt Joachim Widlak als 1. Kapellmeister ans Haus, 1960 der Schauspieler Horst Mendelsohn, ihm folgen1965 Herbert Graedtke,
1968 Monika Berndt, 1972 Angelika Dintinger, 1977 Olaf Hörbe. Im Musiktheater feiern
Günther Pohl 1961, Elga Fischer 1965, Konrad Hofmann 1966 und Peter Küchler 1969 ihre ersten
Erfolge.
14. Januar 1961 Premiere erster Ballettabend „Der Teufel im Dorf“ Ballett von Fran Lhotka,
ML: Klaus Tennstedt, Choreografie: Ines Städter (sie begründet damit die eigenständige Ballettsparte der Landesbühnen)
11. März 1962 DDR-EA „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Brecht/Weill
ML: GMD Klaus Tennstedt, Regie: Dieter Bülter-Marell a.G., Gesamtausstattung: Eberhard Söhnel, Chöre: Fritz Liebscher
27. Mai 1962 Felsenbühne Rathen Premiere „Die Räuber“ von Friedrich Schiller
9. Dezember 1962 Deutsche EA „Der Gast“ Schauspiel von Ludvik Aškenázy
10. März 1963 DDR-EA „Ein wahrer Mensch“ Oper von Sergej Prokofjew und Mira Mendelson
1963 Ausgezeichnetes Volkstheater
Am 7. Oktober werden die Landesbühnen mit dem Vaterländischen Verdienstorden der DDR
in Silber geehrt. Die Regisseure Hans-Joachim Würzner, Wolfgang Heiderich und Wolfgang
Böttcher (Schauspiel), Dieter Bülter-Marell und Reinhard Schau (Oper), die Choreografinnen
Ines Städter und Carla Henze, die Dirigenten GMD Dr. Karl Schubert, MD Klaus Tennstedt
und Ernst Herrmann, die Kostümbildnerin Eva Christ und die Bühnenbildner Eberhard Söhnel
und Rudolf Herrmann mögen hier stellvertretend für die vielen kreativen Köpfe hinter den
Erfolgen jenes Jahrzehnts genannt sein.
Das Stadttheater Meißen wird aufgelöst, viele Ensemblemitglieder wechseln nach Radebeul.
8. März 1964 DDR-EA „Das Leben des Tom Rakewell“ (The Rakes Progress) Oper von Igor Strawinsky
24. Mai 1964 UA „Der König des Böhmerwaldes“ Schauspiel von Wolfgang Krüger
Karl Adolf (Intendant 1964-1972)
„Karl Adolf ist gebürtiger Wiener (1921). Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft lernte er zunächst Huf-und Wagenschmied. Er spielte in einem Dramatischen Zirkel, arbeitete beim Kulturbund und bei der Deutschen Volksbühne. 1953 führte ihn sein Weg als Verwaltungsdirektor und stellvertretender Intendant an das Metropol-Theater Berlin und 1957 bis 1964 in gleicher Funktion an die Volksbühne am Luxemburgplatz. Daneben studierte er an der Humboldt-Universität Theaterwissenschaft und legte 1961 sein Staatsexamen ab.(…) Zur Spielzeit: Nur soviel: Es darf keine Langeweile auf der Bühne geben. Unser Spielplan muss interessant sein für die Besucher – nicht nur interessant für das Theater. Warum sollten wir z. B. den viel geäußerten Wunsch nach einer guten Operette im Spielplan nicht erfüllen?“
(Interview Sächsisches Tageblatt, 26. 8.1964)
14. März 1965 UA „Bill Brook Old Fritz“ Oper von Rainer Cunad
4. April 1965 Deutsche EA „Denn Du bist mein Leben“ Drama von Károly Szakony
1969-1971 Neubau zweier Probebühnen
die auch zur Aufführung von Programmen der „Kleinen Form“ zur Verfügung stehen. Mit der Gründung
eines Theater-Jugendclubs und von „Freundeskreisen der Landesbühne“ in den Spielorten
werden neue Optionen für Begegnung und Austausch mit dem Publikum geschaffen.
1970 25 Jahre Landesoper –
20 Jahre Landesschauspiel
Inzwischen bespielt das größte Abstechertheater der DDR 12 Bühnen.
Allein im Jahr 1969 werden 569 Vorstellungen vor insgesamt 354.810 Zuschauern gegeben.
An staatlichen Subventionen erhalten die Landesbühnen jährlich 4 Millionen Mark.
In Eigeninitiative errichteten Ensemblemitglieder in Wieck auf dem Darß
ein kleines Urlauberdorf für die Betriebsangehörigen.
1. November 1971 Werner Köhler wird Direktor für Kulturpolitik, Leitender Dramaturg und Stellvertretender Intendant
(1947 Regieassistent und Schauspieler am Stadttheater Staßfurt, Dramaturg in Bautzen, Chefdramaturg in der Landesleitung Sachsen der Deutschen Volksbühne, politischer Mitarbeiter der SED-Kreisleitung Dresden-Land, Redakteur der „Sächsischen Zeitung“, 1959 Schauspieldramaturg am Staatstheater Dresden, 12 Jahre Künstlerischer Leiter und Dramaturg im VEB Konzert-und Gastspieldirektion Dresden)
Kammersänger Christian Pötzsch (Intendant 1972-1979)
(Ensemble des Stahl-und Walzwerkes Riesa (zuerst Mitglied, dann künstlerischer Leiter), Gesangsstudium an der Musikhochschule Leipzig, 1954-1972 Solist an der Staatsoper Dresden;
Konzertreisen in die sozialistischen Staaten, nach Italien, Frankreich und in die BRD; Preisträger der künstlerischen Wettbewerbe anlässlich der Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1955
in Warschau und 1957 in Moskau; Kammersänger, Vaterländischer Verdienstorden in Bronze, Verdienstmedaille der DDR, Erich-Weinert-Kunstpreis der FDJ, Arthur-Becker-Medaille in Gold, Mitglied der SED-Stadtleitung Dresden und BGL-Vorsitzender der Staatstheater Dresden) Chordirektor Fritz Liebscher geht nach 25 Jahren erfolgreichen Wirkens in den
Ruhestand. Er begründete 1945 den Chor der Volksoper und führte seither den
Opernchor sowie Laien- und Kinderchöre zu hervorragenden Leistungen.
Neue Mitarbeiter 1972:
Rüdiger Volkmer wird neuer Schauspieldirektor, Karin Wolf Schauspieldramaturgin (Staatstheater Dresden), Reiner Adler Schauspielregisseur (Berlin), Dietrich Schlegel (Plauen) tritt die Nachfolge Fritz Liebschers als Chordirektor an, Andreas Baumann (HfM Berlin) als neuer Opernregisseur, Günter Buch (Zwickau) folgt Carla Henze als Ballettmeister, Lothar Salkowsky, stellv. Ballettmeister und Trainingsleiter (Zwickau).
Neu im Ensemble: Wolfgang Mähnert, Schauspieler (Zwickau); Christina Lehmann, Schauspielerin (Schauspielschule Berlin); Angelika Dintinger, Schauspielerin (Berlin); Peter Fröse, Solotänzer (Friedrichstadtpalast Berlin), Eva Weber, Schauspielerin (Zwickau), Bärbel Richter, Tänzerin (Ballettschule Berlin); Dieter Schwartner, Opernsänger (Plauen); Sigurd Brauns, Solorepetitor (Cottbus)
1973 Gründung eines „Gesellschaftlichen Beirats“ der LBS
unter Vorsitz von Dr. paed. Horst Wolf, als Bindeglied und Vermittler zwischen Theater und Publikum. Er soll einerseits sichern, dass die realen und ständig wachsenden kulturellen Bedürfnisse der Werktätigen durch das Theater mit hohem künstlerischen Niveau befriedigt und weiterentwickelt werden, andererseits dem Theater mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn es darum geht, in Betrieben, Orten und Gemeinden des Spielgebietes neue Besucher für das Theater zu gewinnen. Dabei gilt vorrangiges Interesse den Jugendlichen, der Arbeiterklasse und den Genossenschaftsbauern.
10. November 1973 Premiere "Die neuen Leiden des jungen W."
Die Landesbühnen schalten sich mit dieser Produktion in die gesellschaftliche Diskussion über Probleme und
Perspektiven der Jugend im real existierenden Sozialismus ein.
Es ist eines der neuen, gesellschaftskritischen Bühnen- und Filmwerke
in der DDR, in denen die „Deckung der Wirklichkeit mit den Idealen“
(Plenzdorf im Interview 1976) hinterfragt wird.
17. Februar 1979 1. Musicalpremiere an den Landesbühnen "Der Zauberer von Oss"
Alfred Lübke
Intendant 1979-1986
9. Juni 1984 UA "Der Schatz im Silbersee"
Abenteuerstück von Helmut Menschel frei nach Motiven von Karl May auf der Felsenbühne Rathen, 1. May-Adaption zu Zeiten des Sozialismus
Manfred Haacke
Intendant 1986-1990
21. Januar 1989 Premiere des SED-kritischen Kabarettstücks "Auf dich kommt es an, nicht auf alle"
Angesichts der mittlerweile problematischen Situation des Theaters wird auf Leitungsebene seit 1987
ein Perspektivplan bis zum Jahr 2000 entwickelt und diskutiert. Daran entzündet sich
eine monatelange und zunehmend scharfe und offene Grundsatzdiskussion in allenn Sparten über die
programmatische Ausrichtung eines Volkstheaters, den Sinn und Wert der Landesbühnen
für die Region, die Überlebensfrage der Aufbrechung des Anrechtssystems und den
gravierenden materiellen und personellen Notstand in allen Bereichen.
4. Oktober 1989
Das Ensemble des Staatsschauspiels Dresden tritt am Ende der Vorstellung
mit einer Resolution vor das Publikum. Der Aufruf „Wir treten aus unseren Rollen heraus“
wird sofort weiter verbreitet, am 5. Oktober schließen sich die Ensembles der Landesbühnen
Sachsen an. Der revolutionäre Forderungskatalog wird von da an ständig aktualisiert und nach
jeder Vorstellung verlesen, obwohl dafür mit schweren Konsequenzen zu rechnen ist.
16. Oktober 1989
Aus 24 gewählten Spartenvertretern wird die Sprechergruppe der
Landesbühnen Sachsen gebildet. Sie erstellt unter Einbeziehung der Ensembles einen
Problemkatalog und erarbeitet Lösungsansätze für eine realistische Perspektive des Theaters.
Februar 1990
Intendant Manfred Haacke stellt und verliert die Vertrauensfrage. Die Belegschaft wählt
den 34-jährigen Opernregisseur Christian Schmidt zum kommissarischen Intendanten, der
Schauspieler Horst Mendelsohn und der Dirigent Matthias Liebich werden seine Stellvertreter.
Mit einem funktionierenden Theater, erfüllt von starkem Ensemblegeist, einem
fähigen und mutigen Leitungsteam und einem treuen Stammpublikum stellt
sich der amtierende Intendant Christian Schmidt den wirtschaftlichen,
sozialen und philosophischen Herausforderungen des Systemwechsels.