Das Komödienhaus Dresden

Das spätere Theater wurde von Baumeister und Besitzer Hugo Göpfert zunächst als Konzerthaus erbaut und am 15. September 1916 eröffnet. Nach einem Umbau der Räumlichkeiten durch den Architekten und erfolgreichen Bühnenbildner Leopold Lustig fand am 9. September 1926 die Eröffnung als Komödienhaus statt. Direktion und künstlerische Leitung hatten zuerst Hermine Körner, Arno Großmann, Robert George und Gottfried Vollmöller. Als Eröffnungsvorstellung präsentierten sie den Dresdnern die Komödie "Man kann nie wissen" von G.B.Shaw. Nebenan etablierten sich das Kino "Prinzess-Lichtspiele", und später das Tanzkabarett "Barberina".
Als Hermine Körner am 1. September 1927 Intendantin des Albert-Theaters wird, übernimmt der Schauspieler Hanns Fischer die Leitung. Allerdings agiert er nicht besonders erfolgreich und gibt das Haus bereits im April 1928 an den Theaterdirektor und Schauspieler Fritz Fischer ab, dieser war bis dahin Direktor des Pabst-Theaters in Milwaukee/ USA. Die Namensgleichheit ist Zufall. Fischer ist ein hinreißender Komödiant und Jazzer, bis 1932 setzt das intime Theater mit seinem abwechslungsreichen Spielplan, spektakulären Inszenierungen und musikalischen Überraschungen einzigartige Akzente im Theaterleben Dresdens.
Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wird diese "wilde Blume" der Theaterlandschaft als "nationalsozialistisches Kammertheater" domestiziert und gleichgeschaltet. Der neue Direktor nach der Modernisierung der Spielstätte wird der 30-jährige Nationalsozialist und Antisemit Jürgen von Alten. Als dieser 1935 als Direktor an das Berliner Schiller-Theater berufen wird, übernimmt Heinz Pabst. Unterhaltungsstücke und Gastspiele von Schauspiel- und Filmstars stehen nun wieder im Mittelpunkt.
Ab 1. September 1944 dient das Haus der Fremdarbeiterbetreuung.
Nach der Zerstörung des Theaters 1945 agiert das Ensemble ab 28. September 1945 noch einige Zeit in der Aula des Wettiner-Gymnasiums unter der Direktion von Heinz Pabst, Willi Gade und Curt Lerch.

Luftbild von Walther Hahn Fassade Konzerthaus 1920 Sitzplan Komoedie 1934 Schnitt durch das Komödienhaus Meine Freundin Barbara 1937 Der Mann mit den grauen Schläfen 1938 Barberina 1941

Lage und Gebäudedaten

  • Grundstücke Prager Straße 52 und Reitbahnstraße 37/39 (Eigentümer: Hugo Göpfert, nach seinem Tod die Hugo-Göpfert-Stiftung)
  • 1915-16 erbaut als Konzerthaus, Baumeister: Hugo Göpfert, Adresse Reitbahnstraße 37/ EG/I/II, Pächter Kaufmann Viktor Wünschel
  • 1919 Einbau des Kinos "Prinzess-Theater", Adresse Reitbahnstraße 39/ EG, Zugang auch von der Prager Straße 52, 1. Pächter Kurt Baumann, ab 1925 betreibt es Hugo Göpfert
  • 1924-26 Umbau zum Theater, Architekt Leopold Lustig, Pächter "Komödie GmbH" 675 Plätze, das Theater bekommt auch einen Zugang von der Prager Straße 52
  • 1927 Reitbahnstraße 37 EG zusätzlicher Einbau des Tanzcafés und Theaterrestaurants "Barberina", Pächter Hotelier Gustav Mühlbach
  • 1932 Die "Komödie-GmbH" wird zur "Fritz-Fischer-KG" umgewandelt, das Prinzess-Theater an Johannes Thomas verpachtet (bis zur Zerstörung)
  • 1933 Namensgebung "Komödienhaus Dresden", Modernisierung des Zuschauerraums, Architekt Kurt Kirchner, 660 Plätze, ca. 39 Mitarbeiter, Tod von Hugo Göpfert
  • Grundfläche der Bühne: 110 qm, Schnürboden nicht vorhanden, Abschluss in 7 m Höhe durch die Wölbung des festen Bühnenhimmels;
    Beleuchtung: 1 Portalbrücke, 1 Oberlicht
  • 1935 "Barberina" wird um "Deutsches Weindorf" und Rheinterrassen" erweitert
  • 1940 Tod von Hotelier Gustav Mühlbach, Mühlbachs Erben übernehmen, "Rheinterrassen" werden geschlossen
Plan von Dresden 1937

Chronologie (Auswahl)

  • 15. September 1916 Eröffnung als Konzerthaus, Baumeister und Besitzer ist Hugo Göpfert

  • 9. September 1926 Nach Umbau Eröffnung als Komödienhaus, Direktion und künstlerische Leitung: Hermine Körner, Arno Großmann, Robert George, Gottfried Vollmöller; im Ensemble u.a. Bella Erdoes, Karla Holm, Alfred Haase, Adolf Wohlbrück, Otto Ottbert, Paul Lewitt
  • Eröffnungsvorstellung: "Man kann nie wissen" Komödie von G.B.Shaw, Regie Otto Bernstein a.G., Bühne Leopold Lustig
  • 15. September 1926 Premiere EA „Der Meister“ Komödie von Hermann Bahr; Regie Renato Mordo a.G.,
    mit Alfred Haase a.G., Rose Steuermann a.G., Bella Erdoes, Adolf Wohlbrück, Gertrud Spalke u.a.
  • 25. September 1926 Premiere UA „Amerikanerinnen“ Komödie von Arthur Richmann; Regie Renato Mordo;
    mit Ernestine Münchheim a.G., Trude Wessely, Adolf Wohlbrück, Alfred Haase u.a.
  • 7. Oktober 1926 Premiere „Der Garten Eden“ Komödie von Bernauer und Oesterreicher; Regie Alfred Haase, Bühne Leopold Lustig;
    mit Carola Toelle a.G., Carla Holm, Otto Ottbert, Paul Lewitt u.a.
  • 24. Oktober 1926 12 Uhr Einmaliges Gastspiel von Alexander Moissi mit klassischen und modernen Dichtungen
  • 31. Oktober 1926 11:30 Uhr Gastspiel Kammertanzbühne Rudolf v. Laban
  • 19. November 1926 Premiere „Fedora“ Drama von V. Sardou; Regie Robert George, Bühne Leopold Lustig;
    mit Hermine Körner a.G. (erster Auftritt in der Komödie), Elisabeth Frank, Alfred Haase, Paul Lewitt, Adolf Wohlbrück, Max Ruhbeck u.a.

  • 13. September 1927 Eröffnungsvorstellung der neuen Direktion Hanns Fischer unter Anwesenheit des Dichters; „Ein besserer Herr“ Lustspiel von Walter Hasenclever; mit den neuen Schauspielern Gerda Redlich, Friedrich Carlmayr, Martin Costa, Lothar Glathe u.a.
  • 16. April 1928 „Zehn Mädel lernen heiraten“ Lustspiel mit Musik von Miller und Milton, Regie Renato Mordo; die Musikbegleitung wird durch den Parlophon-Apparat der Firma Oscar Victor ausgeführt

  • 22. April 1928 Direktionswechsel Hanns Fischer- Fritz Fischer (nicht verwandt)
  • 19. Mai EA Premiere „Du wirst mich heiraten“ Lustspiel von Louis Verneuil; Regie Friedrich Carlmayr; mit Carola Toelle a.G. u.a.
  • 2. Juni 1928 EA Premiere Gastspiel Ernst Deutsch „Flucht“ von Galsworthy; Regie Renato Mordo;
  • 12./13. Juni 1928 Fortsetzung Gastspiel Ernst Deutsch mit „Gespenster“ von Ibsen; Regie Fritz Fischer; mit Gertrud Eysoldt a.G. u.a.
  • 14. Juli 1928 „Theo macht alles“ Schwank von Nancey und Armont; Regie Fritz Fischer; mit Fritz Fischer (Theo), Lore Schubert u.a.; bejubelte Black-Bottom Tanzeinlage von Fritz Fischer und Lore Schubert, Das Stück erreicht 32 Aufführungen
  • 21. Juli 1928 „Die Furcht vor dem Glück“ Stück von Ozeanflieger Günther v. Hünefeld; nach der Premiere gab Fischer Bankett im Hotel Europahof, Hünefeld saß an der Seite seiner Mutter, Generalkonsul der USA Waller und Vizekonsul Gerrity waren anwesend, Ansprache von Schriftsteller Rappaport, am Ende sang Fritz Fischer mit der Europahof-Kapelle das Bremen-Lied Hünefelds (Musik Hugo Hirsch)

  • Herbst 1928 Neben Direktor Fritz Fischer wird Paul Wiecke künstlerischer Direktor
  • 7. September 1928 EA Premiere „Mamzelle Nitouche“ Posse mit Musik von Meilhac und Millaud, Musik von Hervé; Regie Fritz Fischer, ML Dr. Leonhard Prinz, Bühne Leopold Lustig; mit Grete Brill a.G., Fritz Fischer u.a., Kritik DNN 09.09.1928
  • 14. Januar 1929 Beginn Gastspiel der Reinhardt-Bühnen „Es liegt in der Luft“ Revue von Marcellus Schiffer und Mischa Spoliansky; Regie Forster-Larrinaga, am Flügel Mischa Spoliansky; mit Blandine Ebinger, Walter Trier, Emil Pirchau, Kurt von Wolowjki, Willi Prager (bis 18. Januar 1929)
  • 22. März 1929 Uraufführung Premiere „Marie Antoinette“ von Rudolf Presber und Leo Walther Stein; Regie Paul Wiecke; Titelrolle Lore Schubert
  • 13. Mai 1929 EA Premiere „Der Frauenarzt“ Schauspiel von Hans J. Rehfisch; Regie Paul Wiecke; mit Alfred Haase a.G./ Theo Paul Münch, Karla Holm, Gertrud Spahlke, Marianne Berger-Fritzsche, Rose Münch, Irma Zeißig, Gertrud Bergmann, Erich Fiedler u.a., Autor bei den Endproben und der Premiere anwesend, Thema §218, starker Erfolg
  • 21. Juni 1929 „Charleys Tante“ Burleske von Brandon Thomas, Bearbeitung von Fritz Fischer; Regie Karl Koch, Musik „Charleys-Tante-Syncopators“, Bühne Leopold Lustig; mit Fritz Fischer (Lord Francourt Babberley), Max Ruhbeck (Colonel Chesney), Erich Fiedler (Jack Chesney), Otto Ottbert (Stephan Spettigue), Karl Koch (Brassett), Karla Holm (Donna Lucia), Rose Münch (Anny), Marianne Waldau (Kitty Verdun), Jaggi Grasmann (Ella Delahay) nicht enden wollender Beifall, Abend des Fritz Fischer;
    Das Stück erreicht in Dresden und als Gastspiel in Leipzig und Chemnitz bis 1931 über 150 Vorstellungen
  • DNN 28. Mai 1932 Mitteilung: Die Komödie wurde mit „Charleys Tante“ zum Gastspiel in die Komische Oper Berlin eingeladen, Voraufführung der dafür erstellten neuen musikalischen Fassung am 31. Mai/ 1. Juni 1932 in Dresden; die Komponisten der neuen Musik, Bert Reisfeld und Rolf Marbot, begleiten an zwei Flügeln; es sind die 299. und 300. Vorstellung des Stückes

  • DNN 20. Juli 1932 Direktor Fritz Fischer wurde vom Orplid-Meßtro-Film für die Hauptrolle des neuen Renaissancefilms verpflichtet
  • DNN 24. Juli 1932 Direktor Fritz Fischer wurde von Direktor Willi Schaeffer für das Eröffnungsprogramm der „Femina“ in Berlin ( Bürogebäude mit Ballsaal in Schöneberg) verpflichtet
  • August 1932 Direktor Fritz Fischer verlässt die Komödie, das Haus wird von nun an kollektiv geführt

  • August/ September 1933 Komödienhaus geschlossen, Umbau und Renovierung;
  • DNN 1. September 1933 Mitteilung über die Neuregelungen an der Komödie und den neuen Kurs des designierten Direktors Jürgen v. Alten
    Modernisierung des Zuschauerraums: Architekt Kurt Kirchner, 660 Plätze, ca. 39 Mitarbeiter
    Selbstverständnis als Nationalsozialistisches Kammerspieltheater
    Ensemble: Grete Fiedler, Ruth Krenz (Souffleuse), Gisela Schlüter, Arno Apel, Arthur Augustin (Inspizient), Martin Hellberg, Kurt Kirchner (Bühnenbildner), Kurt Schönbach, Walter Tautz, Rudolf Weidner, Reinhold Wolf;
    Gäste: Gertrud Fischer (Hamburg), Gertrude de Lalsky (Berlin), Elisabeth Lennartz (Berlin), Carla Rust (Nürnberg), Walter Jung (Berlin), Wolf Dohnberg (Berlin), Bogislav von Smelding (Berlin), Heinz Welzel (Berlin);
    Verwaltungsdirektor: Rudolf C. Dellinger (Sohn des Komponisten)
    4.10.1933 Eröffnung unter der Direktion Jürgen von Alten als "gutes, ehrliches, sauberes Theater mit deutschem Spielplan", der Direktor ist froh "zum Gutteil Parteigenossen unter den Mitgliedern zu haben" (DNN 12.9.1933) mit "Lange Jule" Schauspiel von Carl Hauptmann, Regie Jürgen von Alten; Ministerpräsident v. Killinger und Staatskommissar Hinkel sind anwesend

  • 1935 J. v. Alten wird als Direktor an das Berliner Schiller-Theater berufen
    1. September 1935 Heinz Pabst wird neuer Direktor des Komödienhauses

  • Letzte Theater-Aufführungen im Komödienhaus:
    1. Juli – Ende August 1944 Gastspiel Ida Wüst „Die Jugendgeliebte“ Komödie von Ida Wüst und Vera Prill; Regie Ida Wüst, Bühne Annelies Bontemps; mit Ida Wüst (Hauptrolle), Lilo Müller (Tochter Gerda), Erhard Steinke, Ellen Tietz, Willy Gallwitz, Charlotte Friedrich

    31. August 1944 Schließung der Theater
  • Das Komödienhaus bleibt zur Betreuung der ausländischen Zwangsarbeiter (Litauer, Franzosen, Flamen, Niederländer, Italiener, Tschechen, Wallonen) bis zum 13. Februar 1945 in Betrieb. Darbietungen in den Landessprachen und Konzerte.
    (Stadtarchiv, Bestand 4-1-13 162, Brief von Direktor Kurt Lerch vom 29.10.1945)

  • Ab 21. Juli 1945 hält sich das Ensemble mit auswärtigen Gastspielen über Wasser, ab 28. 9. 1945 spielt das Komödienhaus in der Aula des Wettiner Gymnasiums (300 Plätze)
  • Auf den Gastspielen waren 8230 Besucher zu verzeichnen, im Wettiner Gymnasium vom 28.9. - 28.10.1945 1754 Besucher

Dokumente (Auswahl)



Die vier Optimisten 1942

Die weisse Dame 1943

Ein tolles Mädel 1946

Der Mustergatte 1947

Diebe im Haus 1948