Das Albert-Theater

Nach dem Deutschen Krieg 1866 wurden Kaufleute und Gewerbetreibende im „Verschönerungsverein für die Neu- und Antonstadt“ tätig, um das Stadtbild, Verkehrslösungen und öffentliche Einrichtungen auf ihrer Elbseite mit zu gestalten und für Einheimische und Touristen attraktiv zu machen. Der Plan, für die Neustadt eine eigenes Privattheater zu schaffen, stieß auf erbitterten Widerstand der staatlichen Stellen, die das überkommene Monopol des Hoftheaters mit Zähnen und Klauen verteidigten. Schließlich durfte einige Jahre später der "Actienverein für das Theater zu Neu- und Antonstadt“ endlich bauen, musste das Gebäude aber zwangsweise an die Hoftheaterintendanz als Königliches Schauspielhaus verpachten. Bevor Graf Seebach Hoftheaterintendant wurde, führte die ungeliebte Zweigstelle ein Schattendasein. 1894 kaufte König Albert Theater und Grundstück.Es folgte ein künstlerischer Aufschwung bis 1913. Doch bereits seit 1909 stand fest, dass am Postplatz in der Altstadt ein neues, großes Schauspielhaus entstehen würde. Von da an fuhr der Hof das Haus auf Verschleiß. Schließlich verkaufte König August das marode Theater für horrende 1,3 Millionen Mark an die neue "König-Albert-Theater AG", die das Volkstheater für die Neustadt erhalten wollte. Mit einer großen Schuldenlast, ständigem Rekonstruktionsbedarf und häufig wechselnden Intendanzen kämpfte sich das "Albert-Theater" durch die unsicheren Zeiten von 1914 bis 1936. 1914 – 17 stand dem Ensemble das russische Theater-Multitalent Adolf Edgar Licho vor. Erfahren als Reinhardt-Schüler und als Darsteller und Regisseur in Wien und Berlin ließ er Wedekind, Ibsen, Kokoschka, Hasenclever und Strindberg spielen, Olga Limburg und Fritz Kortner waren Ensemblemitglieder. Im Juli 1918 brachte man das Haus technisch auf den neuesten Stand, neben einer zeitgemäßen Beleuchtungsanlage wurden ein massiver Kuppelhorizont und eine elektrische Drehbühne eingebaut. Ab 1. September 1921 firmierte das Albert-Theater unter dem Namen „Neustädter Schauspielhaus“. Es wurde zuerst von Paul Willi und 1925 bis 1927 von Hermine Körner geleitet, die sich inzwischen auch als Regisseurin und Intendantin einen Namen gemacht hatte. 1926 übernahm sie zusätzlich die Führung des neuen Komödienhauses auf der Reitbahnstraße. 1929 inszenierte sie im Albert-Theater gastweise die Dresdner Erstaufführung der „Dreigroschenoper“ von Brecht/Weill, 1931 stand unter anderem die Bühnenfassung des Kinder-Romans „Emil und die Detektive“ des Dresdners Erich Kästner auf dem Spielplan. Charlotte Küter, Aenne Schönstedt, Arno Großmann, Max Reitz, Albert Willi und Martin Kleber prägten als Darsteller die Jahre bis 1933. Den Glanz dieser Jahre verdankte das Theater der Arbeit seines Oberspielleiters Hugo Wolfgang Philipp, der von 1923 an künstlerische Maßstäbe setzte und ab 1927 auch die Intendanz innehatte. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten steuerte die "Albert-Theater-AG" engültig in die Pleite. Die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Zörner kaufte schließlich den Bau und machte ihn mit Unterstützung des Reichspropagandaministeriums und der "Kraft-durch-Freude" -Organsiation der Deutschen Arbeitsfront 1936 zum Stadttheater. Als künstlerisch mit hohem Anspruch geführtes Mehrspartenhaus zog das in "Theater des Volkes" umbenannte Albert-Theater die Dresdner in Scharen an. Der Anteil von Operetten am Spielplan nahm im Verlauf des Krieges ständig zu, um den Durchhaltewillen der Bevölkerung zu stärken. Nach dem Kriegsende wurde ein Wiederaufbau des zerbombten Theaters verworfen und die Ruine abgetragen.

Das Theater 1905 Grundriss 1875 Theater des Volkes 1937 Publikum 1937 Bettelstudent 1938 Hofball in Schönbrunn 1938

Lage und Gebäudedaten

  • 26.4.1871 Grundsteinlegung für das Albert-Theater
  • Neorenaissancebau von Bernhard Schreiber,
    am Bühnenhaus 42 m breit und insgesamt 65 m lang.
  • Die Fassadenplastiken "Der Tanz" und "Die Musik" des Bildhauers Menzel wurden kurz vor der Eröffnung am 20. September 1873 aufgestellt, überlebten die Zerstörung des Albert-Theaters 1945 und stehen heute im Theaterfoyer des Kraftwerks Mitte
  • Der Zuschauerraum mit vier Rängen war vornehm-schlicht in Weiß, Grau und Gold gehalten und bot 1500 Zuschauern auf rot gepolsterten Sitzen Platz.
    Aus dem Plafondgemälde von Diethe schauten Beethoven, Mozart, Goethe und Schiller herab.
    Die Hauptbühne war 24 m breit und 16,50 m tief, die Portalbreite betrug 10,50 m und das Bühnenhaus erreichte eine Höhe von 26 m.
  • 20.9.1873 Eröffnung als "Königliches Schauspielhaus" mit „Iphigenie auf Tauris“ von Goethe
  • 21.9.1896 Nach Renovierung und Umstellung von Gas auf elektrisches Licht
    Wiedereröffnung mit „Nathan der Weise“ von Lessing
  • 6. 9. 1913 Eröffnung als Privattheater mit „Der Verschwender“ von Raymund
    vorher Umbau und Modernisierung
  • 1914-18 Direktion Adolf Edgar Licho
  • 1. 9. 1921 Eröffnung als „Neustädter Schauspielhaus“, Direktion: Paul Willi
  • 1923-1933 Glanzzeit unter Oberspielleiter H. W. Philipp
    1925 erste Intendanz von Hermine Körner,
    ab 1927 gemeinsam mit H. W. Philipp
  • 2. 12. 1936 Neueröffnung unter dem Namen „Theater des Volkes“ als Stadttheater der Stadt Dresden mit „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss
  • 25.8.1944 NS-Propagandaminister Goebbels verkündet die Schließung der Theater am 1.9.1944
    Am 13. Februar 1945 wird das Theater zerstört
Plan von Dresden 1920

Chronologie (Auszüge)

  • 10. 2. 1933 Hitlers Wahlkampfrede im Berliner Sportpalast

    10. 2. 1933 Albert-Theater: „Nathan der Weise“ von Lessing,
    Regie: Lothar Koerner, mit Prof. Adolf Müller a.G., Gertrud Brendler, Charlotte Franz, Tony König, Lothar Koerner, Carl Lambertin, Albert Willi, Hans Eyskamp, Martin Held
    „Als zum Schluß SA-Horden durchs Publikum vordrangen, um ihn (Direktor H.W.Philipp) festzunehmen, retteten sozialdemokratische Bühnenarbeiter ihren Direktor über die Hinterbühne über den Kulissenausgang ins Freie. So kam er nach Zürich.“
    (Hugo Wolfgang Philipp „Nur weg möchte ich von hier“ Wallstein-Verlag, Reihe: Veröffentlichungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt; Bd. 83)
  • April 1933 Das Albert-Theater bleibt 6 Monate geschlossen
  • 26. 10. 1933 Wiedereröffnung mit „Die große Chance“ von Möller/Lorenz
    Regie: Paul Rainer, mit: Betty Olden, Else Degün, Wolf Kersten, Albert Willi, Max Jähnig, Hans Girnth, Max Ruhbeck, Alice Weymuth, Willy von Hendrichs
    Direktion: Paul Rainer und Otto Wilhelm Müller, Dr. Bernhard Mühlberg wird Oberspielleiter
    "mit Hilfe eines nationalsozialistisch gesinnten Dresdner Bürgers ist es den neuen Direktoren gelungen, das Haus von der Alberttheater-AG zu pachten. 70 Bühnenkünstler und Angestellte wurden wieder eingestellt, man will es als reines Volkstheater mit niedrigsten Kassenpreisen (0,60-3,50 RM) führen. Nächste Stücke: „Krach um Jolanthe“, „Seine Exzellenz, der Narr“, „Das Glücksmädel“, „Des Königs jüngster Rekrut“, „Kampf mit dem Drachen“ (DN Oktober 1933)
  • 7. 5. 1934 Gastspielbeginn der Ganghofer-Thoma-Bühne mit „Kilian bringt alles in Ordnung“ und „Die Hosenknöpf“
    Regie: Schultes
    Anschließend: Gastspiel „Die vier Nachrichter“
    (Kabarettensemble aus München, 1935 von Goebbels verboten)
    mit „Der Esel ist los!“ und „Die Nervensäge“ (Kriminalstück mit Musik und Tanz, Regie: Helmut Käutner)
  • Ab Januar 1936 Varietéprogramme
  • 2. 12. 1936 Eröffnung als „Theater des Volkes“
    mit „Eine Nacht in Venedig“ von Strauss
    Direktion: Max Eckhardt (1935 Direktor Freilichtbühne Oybin)
    Spielleiter: Georg Wörtge (bis April 1936 Direktor Centraltheater) Hannes Döbbelin (Oybin), Max Jähnig
    Ballettmeister: Georges Blanvalet (1935 Plaza-Theater Berlin)
    Musikalischer Leiter: Hugo Leyendecker
  • Juli 1937 „Clivia“ von Amberg und Dostal,
    Regie: Georg Wörtge, ML: Hugo Leyendecker, Tänze: Georges Blanvalet, Kostüme: Martha Scheinpflug, Bühne: Hans Kämmerling, mit: Georg Wörtge, Waldemar Frahm, Rolly Padilla, Fee von Reichlin, Pepi Schroeger, Kurt Wildersinn, Rudolf Fleck u.a.
  • Spielzeit 1937/38: „Land des Lächelns“, Regie: Georg Wörtge
    „Der Bettelstudent“, Regie: Georg Wörtge
    „Die Kosakenbraut“ (Csajanek), Regie: Georg Wörtge
    „Monika“ (Dostal), Regie: Georg Wörtge
    „Der goldene Pierrot“ (Walter W. Goetze) Regie: Georg Wörtge
    „Dunkle Wege“(Dietrich Eckart), Regie: Max Jähnig
    „Der Kampf mit dem Tatzelwurm“ (R.A.Roberts) Regie: Hannes Döbbelin
    „Petermann fährt nach Madeira“ (Hinrichs)
  • Spielzeit 1940/41: UA „Die Perle von Tokay“ (Raymond) Regie: Georg Wörtge
  • 4.7.1941 Kriegskundgebung der Dresdner Kulturschaffenden im „Theater des Volkes“
    mit Ansprache des Vizepräsidenten des Volksgerichtshofes, SS-Oberführer Karl Engert.
  • 5.7.1941, 19:30 Uhr „Tanzendes Barock“ im Dresdner Zwinger,
    Dresdner Philharmonie und Tanzschule Vera Mahlke, Musik von Nino Neidhardt
  • Spielzeit 1941/42 Direktionswechsel: Intendant wird Curt Hampe,
    Oberspielleiter wird Albert Fischel, Max Eckhardt wird Verwaltungsdirektor,
    weitere:
    Fred Schroer, Oberspielleiter der Oper; Georg Wörtge, Oberspielleiter der Operette; Willi Court, Dramaturg und Spielleiter des Schauspiels; Max Jähnig, Spielleiter des Lustspiels; Manfred Huebner, Spielleiter der Oper; E. Herbert-Kuchenbuch, Spielleiter des Schauspiels und Vortragsmeister; Adolf Wiesner, Spielleiter der Operette; Wolf Georg Reuther, Ausstattungleiter; Vera Mahlke, Tanzmeisterin; ML Kurt Eichhorn; Nino Neidhardt, 2. Kapellmeister, Heinz Mende, Chordirektor; Arcadius Krull und Helmut Fiedler, Tanzkapellmeister
  • 15.11.1941 UA „Traumland“ (Künneke), Regie: Georg Wörtge
  • 18.2.1943 „Rigoletto“ von Verdi, Regie: Fred Schroer, ML: Kurt Eichhorn, Bühne: Pretorius, mit Manfred Huebner, Ingeborg Eschbach, Werner Liebing, Ruth Lange, Max Erbe, Richard Kapellmann u.a.
  • 23.11.1943 „Der Troubadour“,
    ab jetzt Beginn der Vorstellungen 16 Uhr; um die Beendigung spätestens um 19 Uhr zu sichern
  • 26.1.1944 „Katte“ von Hermann Burte (UA Dresden 6.11.1914)
    Regie: Albert Fischel, mit: Reinhold Lüttjohann, Wolf Goette, Hans-Joachim Kilburger, Elisabeth Maisch, Erika Dannhoff u.a.
    21.3.1944 „Die Erntebraut“ von Nedbal mit Lotte Loeffel-Jacobi a.G. Abschiedsabend von Kurt Wildersinn mit prächtigen Blumenspenden
    30.3.1944 „La Boheme“ von Puccini, Regie: Dr. Heinz Roberts a.G.,
    Bühne: Gustav Singer, ML: Kurt Eichhorn, Chöre: Heinz Mende, mit Willy Lückert, Ruth Gierisch, Eugen Klein, Manfred Huebner, Bert Beßmann, Elsa Hildesheim, Rolf Roja, Karl Kirchhof
    22.5.1944 „Der Reiter der Kaiserin“ von Robert Nästlberger und August Pepöck,
    Regie: Albert Fischel, ML: Georg Lippert, Chöre: Heinz Mende, Tänze: Betty Merck, mit: Ilse Kluge, Otto Falvay, Maria Horstwig, Georg Wörtge, Elisabeth Maisch, Reinhold Lüttjohann, Ida Kattner, Willy von Hendrichs, Josef Duffek 20.7.1944 letzte Premiere: „Carmen“ von Bizet, Regie: Peter Hamel (Schauspielhaus),
    ML: Kurt Eichhorn, Bühne: Gustav Singer, Kostüm: Ingeborg Strombeck, Tänze: Betty Merck,
    mit: Ruth Lange, Ruth Gierisch, Heinz Sauerbaum a.G., Max Erbe a.G., Josef Duffek, Konrad Klein, Bert Beßmann, Rudolf Tanner

Dokumente

Das Theaterarchiv Schwarze Dresden ist im Besitz eines Bestandes von Fotos und Programmheften aus dem Albert-Theater, der auch in digitaler Form vorliegt.


Das Spielzeitheft 1927/28 (Theaterarchiv Schwarze)
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