Theatervergnügen im alten Dresden

Nach den Schrecknissen der Napoleonischen Kriege und der nachfolgenden russischen und preussischen Besetzung verlangten die Dresdner nicht nur nach demokratischen Reformen, sondern auch nach moderner Bildung, Infrastruktur und Kultur für das aufstrebende Bürgertum. Bereits 1813 vereinigte der russische Gouverneur Repnin die Institutionen des Hoftheaters - königliche Kapelle, das deutsche Schau-und Singspiel und die italienische Oper - unter einer Generalintendanz. Bis zu den revolutionären Ereignissen 1830 werden u.a. die Medizinische Akademie, die Polytechnische Bildungsanstalt, der "Dresdner Anzeiger" und die Sparkasse gegründet. Die wachsende Bevölkerungszahl zwingt zu weiteren Strukturveränderungen und Modernisierungen. Die Niederlegung der Dresdner Festungsmauern, die Einführung einer Verfassung für das Königreich Sachsen, die Festlegung von Stadtbezirken in der Landeshauptstadt und technische Neuerungen wie der Eisenbahnbau, Gasbeleuchtung der Straßen und Plätze und die Eröffnung von Pferdeomnibuslinien in Dresden sind nur einige Marksteine der damaligen rasanten Entwicklung bis zur Revolution von 1849. Nach den blutigen Maitagen jenes Jahres triumphierte jedoch die Reaktion. Zutiefst verunsichert und bedrängt durch die Repressalien der monarchistischen Restauration beschäftigte sich das Bürgertum von nun an vor allem mit der Organisation seines wirtschaftlichen Erfolges und suchte Zerstreuung und Vergnügen bei den Darbietungen des Hoftheaters und einiger bürgerlicher Privattheater, welche in der Hoffnung auf reichen Gewinn durch "Theater-Aktien" von Geschäftsleuten ins Leben gerufen wurden und Possen, Schwänke und Singspiele auf meist bescheidenem Niveau auf die Bühne brachten. Die erteilten Konzessionen - polizeilich streng überwacht - beschränkten das Repertoire der Privattheater auf Stücke dieser Genres, die hehre Schauspiel- und Opernkunst blieb den Hoftheatern vorbehalten. Die dauerhaftesten Unternehmungen in dieser Zeit waren das "Sommertheater auf Reisewitz" in Dresden-Plauen (bestand von 1844 bis 1854) und das Wandertheater der Amalie Auguste Magnus (bestand von 1844 bis ca.1870).

2. Theater 1849 Standort Tivoli heute Tivoli Reisewitz 1850 Volkstheater Neustadt 1850 Aktien-Abonnement 1850 Rappos Theater Abonnement 2.Theater 1850 Witwe Magnus 1852

Lokalitäten

  • 27. Mai 1844 Eröffnung des "Sommmertheaters auf Reisewitz" in Plauen bei Dresden,
    Reisende Gesellschaft des Direktors Friedrich Matthes
    (spielt im Winter im Gewandhaus zu Meißen)
  • 14. Juli 1849 Eröffnung des "Tivoli - Theaters" vor dem Plauenschen Schlage
    (Garten des Hofzahnarztes Ruschpler, heute Bergstr. 2)
    durch den Strumpfwirkermeister Ferdinand Voigt
    im Winter 1849/50 spielt das Theater im Hotel de Pologne Schlossstraße 6
  • April 1850 Gründung eines "Volkstheaters" in der Scheffelgasse 32
  • 5. Mai 1850 Beginn der Vorstellungen des „Volkstheaters“ im Saal zum Polnischen Brauhause, Große Meißner Gasse Nr. 10 in Neustadt
    unter Direktion Karichs
  • 12. Mai 1850 Saisoneröffnung des „Stadttheaters“ im Tivoli (Garten Ruschpler) vor dem Plauenschen Schlage
    ( wegen Witterung verschoben vom 9.Mai)
    unter der Direktion des II. Theaters (Ferdinand Voigt, Theaterbüro Josefinengasse 18)
    Im Winter 1850/51 spielt das selbsternannte "II.Theater" auf einem Wollboden in der Waisenhausstrasse 31
  • 18. Mai 1850 Das „Volkstheater“ eröffnet das „Tivoli“ im Reußischen Garten in Antonstadt
  • 26. Mai 1850 Eröffnung des neuen großen Theatergebäudes in Reisewitz
  • 2. Juni 1850 Eröffnung der neuen „Großen Arena auf Reisewitz“
  • 23.Juni 1850 Eröffnung des neuerbauten Zirkusgebäudes auf dem Jüdenteiche
    Olympischer Circus von E.Renz
  • 12.4.1851 Letzte Vorstellung des „Zweiten Theaters“ (Winterspielzeit) von Ferdinand Voigt, Konkurs
  • 18.5.1851 Beginn der Vorstellungen im Sommertheater zu Reisewitz
    unter der Direktion Matthes, mit Billett-Abonnement
  • Ab 13. Juli 1851 Sommertheater in Blasewitz,
    Direction Wilhelm Zirkel
  • 25.12.1851 Truppe der Witwe Magnus
    Theater im „Elephanten“(Friedrichstadt): „Don Juan oder: Der vierfache Mord“,
    im Januar 1852 Theater im Weinlaub und auf den Scheunenhöfen bei Herrn Risse:
    „Kunibert von Eulenhorst, der geschundene Raubritter“,
    spielt auch in Neustadt auf der Casernenstraße bei Herrn Starke
    und in der Pirnaischen Vorstadt auf der Amalienstraße bei Herrn Silbermann
Panorama Dresden um 1850